Kommentar zum Corona-Ausbruch bei Tönnies
Moral ist nicht kostenlos

Die Wettervorhersage fürs Wochenende passt: viel Sonne, angenehme Temperaturen – es kann gegrillt werden. Doch dürfte nicht nur so manchem Ostwestfalen der Appetit fürs Erste gründlich vergangen sein angesichts des neuen deutschen Corona-Hotspots Tönnies.

Freitag, 19.06.2020, 20:58 Uhr aktualisiert: 19.06.2020, 21:00 Uhr
Nur wenige Mitarbeiter betreten das Werksgelände der Firma Tönnies in Rheda-Wiedenbrück. Nach einem Corona-Ausbruch in der Belegschaft der Fleischfabrik muss Tönnies seinen Hauptproduktionsbetrieb in Rheda-Wiedenbrück in Westfalen bis auf weiteres herunterfahren. Foto: David Inderlied/dpa
Nur wenige Mitarbeiter betreten das Werksgelände der Firma Tönnies in Rheda-Wiedenbrück. Nach einem Corona-Ausbruch in der Belegschaft der Fleischfabrik muss Tönnies seinen Hauptproduktionsbetrieb in Rheda-Wiedenbrück in Westfalen bis auf weiteres herunterfahren. Foto: David Inderlied/dpa

Ja, auch wir Verbraucher haben unseren Anteil an den oft beklagten Zuständen in der deutschen Fleischindus­trie. Moral ist nicht kostenlos. Doch die Billig-Mentalität zu vieler Kunden kann keinesfalls zur Reinwaschung der Schlachtkonzerne dienen. Und dass die Branche angesichts der Pandemie ei­nen besonderen Gefahrenherd ausmacht, hätte sich in den vergangenen Wochen auch bis Rheda-Wiedenbrück herumsprechen können. Der Fall Westfleisch lässt grüßen. Nun zahlt eine ganze Region die üble Zeche dafür.

Gut, dass die Staatsanwaltschaft ermittelt. Es wird höchste Zeit, den Ursachen für die rasende Verbreitung des Virus in den Schlachthöfen auf den Grund zu gehen. Dabei muss auch für Firmenbosse bis zum Beweis des Gegenteils die Unschuldsvermutung gelten. Zwar scheint vieles so im Argen wie auf der Hand zu liegen – doch es braucht erst Gewissheit. Und dann schonungslose Konsequenz. Die Gesundheit muss wichtiger sein als das Geschäft – und das nicht nur zu Corona-Zeiten, sondern immer.

Kommentare

Paul Schneider  schrieb: 20.06.2020 08:18
Moral
Gibt es eine Moral, wenn es darum geht, Marktanteile in Asien zu gewinnen, um vom steigenden Wohlstand in China zu profitieren? Wo bleibt die Moral, wenn die Fleischbranche mit den kastastrophalen Zuständen noch stark subventioniert wird? Ist es moralisch vertretbar, dass die Zuwächse in der Fleischindustrie nicht mit Festangestellten sichergestellt wird, sondern mit Werkvertragsarbeitern? Ist es moralisch vertretbar, dass die EU dann die Herkunftsländern der Werkvertragsarbeiter subventioniert? Und gibt es eine Moral bei den Arbeitgebern, wenn sie die Selbstverpflichtungen , wie soziale Standards, nicht einhalten? Deutschland würde Moral beweisen, wenn sie Habecks Forderung nach dem Verbot des Subunternehmen-Systems folgen würden, damit der Sklavenhandel aufhört.
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