Kommentar zum US-Wahlkampf
Es geht Trump nur um die Macht

US-Präsident Donald Trump macht jetzt nur noch das, was er kann. Was vermutlich das einzige ist, was er wirklich kann: Wahlkampf. In Tulsa kamen zwar nicht so viele , wie der US-Präsident erhofft und erwartet hatte, doch die Menge erwies sich als verlässlich, die Claqueure waren laut und johlten an den richtigen Stellen.

Sonntag, 21.06.2020, 21:00 Uhr
Donald Trump, Präsident der USA, spricht bei der ersten Wahlkampfveranstaltung seit Beginn der Corona-Pandemie zu Besuchern in der Arena «BOK Center». Foto: dpa
Donald Trump, Präsident der USA, spricht bei der ersten Wahlkampfveranstaltung seit Beginn der Corona-Pandemie zu Besuchern in der Arena «BOK Center». Foto: dpa

Inhaltlich bot Trump genau das, was viele Beobachter befürchtet hatten: Er verharmloste die Corona-Krise und kümmerte sich nicht weiter um die Rassismusdebatte im Land. Den Namen des von weißen Polizisten getöteten George Floyd, dessen Tod der Auslöser für die US-weiten Proteste war, nahm der Populist im Weißen Haus gar nicht erst in den Mund. Er ignoriert das Rassismusproblem genau wie seine Anhänger – sie alle erwiesen sich als wahre Ignoranten. Für ihn boten die Proteste lediglich einen Anlass, seine Fans mit einer Attacke auf die Demokraten hinter sich zu scharen. Armselig.

Völlig verantwortungslos

Wie völlig verantwortungslos diese US-Präsident sich verhält, zeigt der Umgang mit der Corona-Infektionsgefahr. Ein Politiker, der stolz erklärt, er habe seine Mitarbeiter dazu aufgerufen, die Coronavirus-Tests einzuschränken, damit die offiziellen Infektionszahlen nicht steigen, würde hierzulande seinen Job hoffentlich schnell verlieren. Doch Trump verkündet diese unsinnige Maßnahme laut in Tulsa – und erhält auch noch Applaus.

Da fragt sich doch jeder denkende Mensch, warum so viele Amerikaner inzwischen mit dem Wort Logik nichts mehr anfangen können. Weil nicht sein darf, was nicht sein soll? Pippi Langstrumpfs Lied „Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt“ lässt grüßen. Das ändert aber nichts daran, dass die Vereinigten Staaten inzwischen fast 120 000 Tote durch das Virus zu beklagen haben. Aber Fakten interessieren diesen Präsidenten bekanntlich gar nicht.

Der Wahlkämpfer scherzt nicht

Im Nachhinein werden seine Bemerkungen zu den Tests vom Weißen Haus natürlich wieder als Scherz hingestellt. Doch erstens: Wer gesehen hat, wie verbissen Trump seine Attacken ritt, weiß, dass der Wahlkämpfer nicht scherzte. Zweitens: Jeden Unsinn, den er von sich gibt, zum Scherz zu erklären, nutzt sich ab.

Denn das müsste für so viele seiner Anmerkungen zur Coronakrise in Tulsa gelten. Allen Ernstes: Die Schulen will er wieder aufmachen, weil kleine Kinder ja nicht wüssten, was ein Immunsystem ist? Dümmer geht es nicht.

Dieser Präsident hat längst seine Glaubwürdigkeit verspielt. Es geht nur noch um eines – um eine zweite Amtszeit. Da kann sich Trump doch nicht mit Petitessen wie Politik und ernsten Krisen beschäftigen – egal, wie viele Menschenleben der Rassismus oder das Coronavirus kosten.

Kommentare

Paul Schneider  schrieb: 22.06.2020 07:49
Trump und die Macht
Als ich seinerzeit die Zeilen des Trump-Biografen Michael D`Antonio gelesen habe, traute ich meinen Augen nicht. Vor der Wahl war Trump für D`Antonio der am meisten beunruhigende Kandidat, den die "Republikaner seit einem Jahrhundert präsentiert haben". Er beschrieb Trump eine "als eine extrem emotionale Person mit erratischem (unvorhersehbaren) Verhalten - auch wenn er sich jedem anderen Menschen auf der Erde überlegen fühlt. "Diese Eigenschaften lassen mich für seine Präsidentschaft fürchten", so D`Antonio. Bisher glaubten viele Amerikaner seiner "grossartigen" Performance, wenn er mit seinem "gummiartigen, ausdrucksvollen Gesicht" kräftige Statements von sich gab. Nun wird auch deutlich, was Trump damit meinte, er wolle Amerika in die 50er Jahre zurückbringen. Also in eine Zeit, in der weisse Männer einfach alles kontrollierten und sich nicht um einen Wettbewerb mit Frauen oder Minderheiten und Jobs sorgen mussten. Wenn wir heute Trump im TV beobachten, dann ist das meiste Show, aber der Ton ist echt. Er glaubt tatsächlich, dass er besser ist als alle anderen ist. Er glaubt tatsächlich, dass Amerika vor 50 Jahren besser dran war. D`Antonio beschreibt ihn als gerissenenen Beobachter und Ausschlachter de Menschlichen Natur. Sein Handwerk ist das Fach des Hochstaplers, und er beherrscht es brilliant". Nun ist er offensichtlich mit seiner desaströse Präsidentschaft gescheitert. Doch die Amerikaner lassen sich während des Wahlkampfs von Persönlichkeiten fesseln, aber sie neigen dazu, schlagartig nüchtern zu werden, wenn sie dann ihre Stimme abgeben. Noch sehe ich "den" echten Herausforderer nicht. Die Schlammschlacht um Biden wird nicht lange auf sich warten lassen.
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