Kommentar Beschluss der Ausbildungsprämie
Basis für die Zukunft

Das Signal rüttelt auf: Im Mai ging die Zahl der in Deutschland angebotenen Ausbildungsplätze um acht Prozent zurück – ein Zeichen dafür, dass die deutsche Wirtschaft unter dem Druck der Corona-Pandemie ihre Zukunft ver­spielen könnte.

Donnerstag, 25.06.2020, 08:41 Uhr aktualisiert: 25.06.2020, 08:46 Uhr
Symbolbild. Foto: dpa
Symbolbild. Foto: dpa

Deshalb ist die vom Bundeskabinett auf den Weg gebrachte Ausbildungsprämie eine wichtige Weichenstellung, die die Grundlage für die künftige Wirtschaftskraft Deutschlands schafft. Denn unabhängig davon, wie stark und dauerhaft die ökonomischen Folgen der aktuellen Corona-Pandemie nachwirken: Das Nachwuchs- und Fachkräfteproblem bleibt groß.

Der aktuellen Verschärfung des Mangels muss entgegengewirkt werden. Das ist auch eine Aufgabe des Staates. Allerdings sind damit die Unternehmen nicht aus der Pflicht entlassen, selbst so viel wie eben möglich für die Gewinnung und Ausbildung junger Menschen zu tun – nicht nur im gesellschaftspolitischen, sondern vor allem im eigenen Interesse.

Bundespräsident Walter Steinmeier hatte die duale Ausbildung am Vortag mit Recht als „großen Schatz“ bezeichnet und an die Weitsicht der Entscheider in den Firmen appelliert.

Die Beschränkung der Förderung auf Unternehmen mit weniger als 250 Mitarbeitern ist durchaus nachvollziehbar. Zum einen sind mittelständische Betriebe die wichtigsten Säulen der dualen Ausbildung, zum anderen dürften viele Großkonzerne ihre Ausbildungsprogramme auch aus eigenen Finanzmitteln stemmen können.

Vollkommen unabhängig von den Corona-Turbulenzen bleibt der anhaltende Trend zur Akademisierung der Gesellschaft ein Pro­blem. Eine funktionierende Wirtschaft braucht praktisch ausgebildete Experten. Jungen Menschen sollte deshalb in der Schule – und natürlich auch im Elternhaus – der Wert einer Lehre vermittelt werden. Wer glaubt, dass die zunehmende Digitalisierung der Arbeitswelt nur Hochschulabsolventen Karrierechancen bietet, irrt. Auszubildende lernen heutzutage in der Regel intensiv, mit modernen Technologien umzugehen.

Grundsätzlich ist die duale Ausbildung ein Pfund, mit dem Deutschland seit Jahren wuchert. Die Qualität der Arbeit in Handwerk und Industrie erreicht weltweites Spitzen-Niveau. Der demografische Wandel erschwert schon in naher Zukunft, diesen Standard zu halten. Neben der Ausbildung muss daher die Rekrutierung und Qualifizierung mehr weiblicher Mitarbeiter und Zuwanderer im Fokus der Unternehmen stehen.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7467055?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198306%2F2269031%2F
Flughafen Paderborn-Lippstadt: Die ersten machen den Abflug
In guten Zeiten wurden weit mehr als eine Million Passagiere pro Jahr abgefertigt, im Juni flogen hier nur noch 146 Reisende los.
Nachrichten-Ticker