Kommentar zu Wirecard
Ins Herz des Finanzplatzes Deutschland

Und wieder ist es ein großer Akteur des globalen Zahlungsverkehrs: Kriminelle Luftbuchungen, Versagen der Aufsicht und dubiose Vertuschungsaktionen beim Dienstleister Wire­card treffen den Finanzplatz Deutschland ins Herz.

Donnerstag, 25.06.2020, 20:03 Uhr aktualisiert: 25.06.2020, 20:06 Uhr
Die Banking-App Boon des Zahlungsdienstleisters Wirecard auf einem Smartphone. Foto: dpa
Die Banking-App Boon des Zahlungsdienstleisters Wirecard auf einem Smartphone. Foto: dpa

Der Gang zum Insolvenzrichter ist jetzt nur noch eine erwartbare Konsequenz von Geschäftspraktiken, die der staunende Beobachter bislang wohl eher im Rotlichtmilieu vermutet hätte als bei einem Unternehmen, dessen Aktien im bedeutendsten deutschen Börsenindex notiert sind.

Und noch ein Phänomen, das schon in der Finanzkrise 2008/09 seine abstoßende Fratze zeigte, taucht im Wirecard-Skandal wieder auf: die Gier. Nicht nur bei den Akteuren im und rund um das Unternehmen. Auch die Anleger, die die Anteilsscheine des Newcomers schnell auf fast 200 Euro hochtrieben, hatten mehr Fantasie als Realitätssinn.

Jetzt bleibt nur eine umfassende Aufklärung: Bei Wirecard muss bis ins letzte Detail offengelegt werden, welche Machenschaften das Desaster verursacht haben. Und auch bei der Finanzaufsicht Bafin sind in diesem Fall noch einige Fragen zu klären.

Kommentare

Paul Schneider  schrieb: 26.06.2020 07:14
wirecard
Auch die Finanzkrise 2008 war das Ergebnis krimineller Finanzspekulationen. Und heute in der Corona-Krise werden Billionen in den Finanzmarkt gepumpt, um die Kurse künstlich nach oben zu treiben oder zumindest nicht dem Absturz freizugeben. Das Prekäre bei wirecard ist, dass schon im April 2019 zwei Journalisten der "Financial Times" wiederholt auf die Trickserein, undurchsichtige Geldströme und Bilanzmanipulationen bei wirecard hingewiesen. Darauf stellte die BaFin Strafanzeige. Man war der Meinung, dass man mit den "Enthüllungen" einen Kurssturz auflösen könnte, um sich dann an fallenden Kursen zu bereichern. Auch die Staatsanwaltschaft leitete Ermittlungen gegen die Journalisten wegen "Marktmanipulationen" ein. Dass DAX-Konzerne in einen Strudel von Affairen, Betrug und Kriminalität versinken, ist offensichtlich undenkbar. Ist es nur ein einmaliges Beispiel, dass jetzt wegen des Verdachts der Bilanzfälschung und der Manipulation der Börsenkurse ermittelt wird? Hat nur wirecard den Umsatz künstlich aufgeblasen, um den Aktienkurs zu steigern? Man darf Zweifel hegen.
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