Kommentar zur Bielefelder Aufstiegsfeier
Vorbild? Fehlanzeige!

Tausende haben den Aufstieg trotz Corona gefeiert , Mindestabstände interessierten nicht: Bielefelds Oberbürgermeister Pit Clausen (SPD), Spieler des DSC Arminia Bielefeld und Verantwortliche des Klubs haben am Sonntag jede gesellschaftliche Verantwortung, die man von ihnen hätte erwarten müssen, mit Füßen getreten. Die vielbeschworene Vorbildfunktion des Sports – Fehlanzeige.

Montag, 29.06.2020, 20:07 Uhr aktualisiert: 29.06.2020, 20:50 Uhr
Fans am Stadion. Foto: Thomas F. Starke
Fans am Stadion. Foto: Thomas F. Starke

In Altenheimen vereinsamten in den letzten Monaten Menschen, weil sie ohne Besuch leben mussten. Hochzeitspaare durften nur ohne Freunde feiern, Familien mussten im kleinsten Kreis Abschied von Verstorbenen nehmen und Kinder irgendwie ohne Schule klarkommen. Diese und viele andere Menschen haben ihre Bedürfnisse auch zum Wohl der Allgemeinheit über Wochen zurückgestellt. Im Wissen, dass nur Disziplin das tödliche Virus eindämmen kann.

Doch was zählt schon eine Corona-Schutzverordnung, wenn Arminia aufsteigt? Nichts! Klar hatten sich bei den Fans, die seit Monaten nicht mehr ins Stadion durften, Emotionen aufgestaut, die jetzt raus mussten. Aber kein Verantwortlicher hatte vorher ernsthaft den Versuch unternommen, den erwartbaren Freudenausbruch zu kanalisieren und zu reglementieren. Im Gegenteil. Bielefelds Oberbürgermeister versprach vor zehn Tagen sogar, dass die Stadt bei spontanen Aufstiegsfeiern keine Corona-Bußgelder verhängen werde. Das war die Einladung zur Party am Sonntag! Geschätzt 3000 Fans am Stadion, 1200 vor dem Rathaus, fast alle ohne Sicherheitsabstand – und die Polizei machtlos, weil jedes Einschreiten gegen den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit verstoßen hätte.

Die Einladung des Bürgermeisters war die eine Sache, die Unzuverlässigkeit der Vereinsführung und der Spieler die andere. Absprachen, die die Polizei mit ihnen getroffen hatte, wurden gebrochen. Spieler tauchten auf, wo sie nicht sein sollten, und heizten die Party noch an. Dass sie jetzt schweigen und dass sich die Vereinsspitze der Kritik nicht stellen will, lässt ihr schlechtes Gewissen erahnen.

Es ist bemerkenswert zu sehen, dass etwas Nebensächliches wie der Fußball glaubt, dass Regeln für alle gelten – nur nicht für ihn.

Kommentare

Jörn Fries  schrieb: 05.07.2020 07:14
Gipfel der Unverfrorenheit
29.06.2020 - 21:23 Uhr | Guten Abend lieber Herr Althoff,

Sie haben vollkommen Recht: Die Fußball-Verantwortlichen nehmen sich Sonderrechte raus, die ihnen nicht zustehen! Und gefährden damit sich und auch andere!!
Wir hier in OWL sehen doch gerade am Beispiel des Kreises Gütersloh, wie wichtig die Einhaltung grundlegender hygienischer Standards ist. Was wir von Werksvertragsarbeiter:innen aus der Fleischindustrie erwarten, sollten wir nicht nur von Fußballfans, sondern auch und insbesondere von Fußballern und ihren Vereinsoberen erwarten können. Und dass die Stadtspitze im Vorfeld den Feierwilligen noch Blanko-Vollmachten ausstellt, ist der Gipfel der Unverfrorenheit!
Thorsten  schrieb: 01.07.2020 01:19
Mal selber nachdenken
Viele Menschen haben auf ihren Jahresurlaub verzichtet, müssen diese Scheißmasken überall tragen, haben Einbußen beim Gehalt, und Aufgrund einiger die glauben sich etwas herausnehmen zu können, müssen Sie sich demnächst evtl. noch mehr einschränken und noch mehr Angst um Ihre Gesundheit und die Ihrer Lieben haben. Ich hab seit Jahren ne Dauerkarte, aber wenn es wirklich nicht möglich ist, sich dass bisschen zurückzunehmen, wäre ich dafür die nächste Saison besser ganz abzublasen. Auch da wird es einiges zu feiern geben, eine Saison kann man zur Not ganz ohne Zuschauer bestreiten, aber gegen solche Aufläufe ist man dann am Ende machtlos. Dafür ein zusätzliches Risiko zu haben 2 -3 Wochen zu Hause in Kurzarbeit eingesperrt zu sein ist es dann einfach nicht Wert, geschweige denn die Gesundheit. Das es auch in anderem Zusammenhang unverantwortliches Verhalten gibt, kann man doch in so einer Position nicht als Ausrede nehmen, sondern muss noch vielmehr Vorbild sein.
Bielefelder85  schrieb: 30.06.2020 18:05
Und nichts wird passieren!
Der Aurot hat all die schlimmen Auswirkungen eines Lock-Downs beschrieben. Genau jetzt ist der Moment diesen Wahnsinn aufzuheben und nicht über die Arminia Fans herzuziehen. Wir alle haben die Demos in Berlin usw gesehen. Kein Abstand, garnichts. Ist irgendwo daraufhin eine große Krankheitswelle ausgebrochen? Nein! Ebenfalls zu beenden ist die Maskenpflicht! Seitdem es diese gibt, werde ich im Supermarkt förmlich bedrängt. Vorzugsweise von Personen ü60, die angeblich zur Risikogruppe gehören. Da wird auch nicht mehr auf den Mindestabstand geachtet.
Thomas Zucker  schrieb: 30.06.2020 13:11
Nicht ohne Maske vor die Tür!
Es sollte jedem, der logisch denken kann, klar sein, dass ihm jede Person ohne Mundschutz, der er außerhalb seiner Wohnung ebenfalls ohne Mundschutz begegnet, den Tod bringen kann.

Deshalb sollte eigentlich niemand ohne Mundschutz vor die Tür und die Maske sollte auch immer die Nase bedecken.

Abstand sollte man auch halten, aber eine gute Maske ist das Wichtigste Mittel, sich zu schützen.
Patrick Krumrey  schrieb: 30.06.2020 08:50
Diese Doppelmoral ist unerträglich
Was hier geschrieben wird, fans gehen seit Sochen nicht ins Stadion während sich über 25.000 Demonstranten in Berlin zu einer Demo treffen!

Arminia und die Stadt hätte sicher eine Demo gegen irgendwelche Auflagen oder Statuten veranstalten können.

Anderer Grund, selbe Auswirkung! Wi also ist bitte der Unterschied?

Wenn wenige Fans, die sich der Gefahr bewusst sind, sich zum Feiern bzw. einer Demo treffen?

Gib dem Kind einen anderen Namen und schon ist es Legal!
Max Haase  schrieb: 30.06.2020 08:44
Unverantwortlich
Ich kann es irgendwie verstehen: wenn es endlich wieder etwas zu feiern gibt, dann will man das in diesen Zeiten auch. Und dann lässt man auch mal Vorschriften Vorschriften sein.

Dass aber die Verantwortlichen auch noch dazu aufrufen - und nichts anderes ist die Aussage, dass man niemanden bestrafen wird - das geht gar nicht. Da sitzen Leute in verantwortlicher Position, die dort nicht mehr hingehören.

Und spätestens, wenn sich durch diese Feierei wieder Menschen infiziert haben, werden die Verantwortlichen bemerken, was sie angerichtet haben. Und diejenigen, die diese Infizierung nicht überleben, werden vom Aufstieg der Arminia dann nichts mehr haben.

Zugegeben: das Szenario muss so nicht kommen - wenn alle Glück haben. Aber auch der Chef eines Fleischzerlegebetriebes hätte vorher nie gedacht, das ausgerechnet in seiner Firma so etwas passiert.
Lars  schrieb: 30.06.2020 08:20
Mal nachdenken
Das ist wieder ein typischer Kommentar. Schön über den Fußball meckern. Vielleicht sollte der Autor mal darüber nachdenken, was das für Leute waren! Diese Menschen haben auf ihren Jahresurlaub verzichtet, müssen diese Scheissmasken überall tragen, haben Einbußen beim Gehalt und bei der Lebensqualität und dürfen dann nicht mal über die Grenzen schlagen, wenn Arminia aufsteigt?.Armselige Einstellung. Und vielleicht sollte der Autor auch mal einen Bahnhof betreten. Da gibt es kaum noch jemanden, der die Maske am Bahnsteig trägt, sie wird erst beim Betreten des Zuges aufgesetzt und sobald man den Zug verlassen hat, abgenommen. Egal wie viele Leute sich dann durch den Gang drängeln! Aber nein, NUR der Fußball ist böse!
Tom Meister  schrieb: 29.06.2020 20:45
Typisch ostwestfälische, typisch deutsch
Wenn der Deutsche nix zu meckern hat , dann geht es ihm nicht gut. Vor allem wenn er dann noch Ostwestfale ist. Freut Euch lieber über den Aufstieg, seid Ihr echt so naiv gewesen zu glauben, da kommen nicht ein Paar Tausend zum feiern zusammen?
8 Kommentare
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