Kommentar zur Eliteeinheit KSK
KSK ist auf Bewährung

Das Kommando Spezialkräfte (KSK) ist eigentlich die Speerspitze der Bundeswehr bei Anti-Terror-Einsätzen und Geheimmissionen. Doch die Eliteeinheit entwickelte sich aufgrund rechtsextremer Vorfälle zur Achillesferse der Bundeswehr.

Mittwoch, 01.07.2020, 07:25 Uhr
Symbolbild. Foto: Patrick Seeger/dpa
Symbolbild. Foto: Patrick Seeger/dpa

Es wurde höchste Zeit, dass Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer das Thema zur Chefsache erklärte und jetzt das KSK umkrempelt. Mit den umfassenden Reformplänen hat sie selbst Kritiker überrascht. Denn immerhin wird eine der vier Kompanien aufgelöst und die zurecht als Schwachstelle ausgemachte Ausbildung der Eliteeinheit auf neue Beine gestellt. Die Ministerin hat letztlich dem zunehmenden Druck nachgegeben.

Denn der Militärische Abschirmdienst sprach zuletzt von einer „Mauer des Schweigens“ und berichtet von 20 extremistischen Verdachtsfällen im Jahr 2019 in dem 1400 Mann starken KSK. Damit sei die Zahl der Fälle verhältnismäßig fünfmal so hoch wie in der gesamten Bundeswehr. Dabei darf man weder alle KSK-Soldaten noch die Bundeswehr unter Generalverdacht stellen. Denn die überwiegende Mehrheit verrichtet ihren Dienst verantwortungsvoll und verteidigt demokratische Werte. Aber einige Rechtsextreme schaden nicht nur dem KSK, sondern auch dem Ansehen der Bundeswehr. Deswegen ist es folgerichtig, dass AKK die zweite KSK-Kompanie auflöst, in der sich seit 2017 die Extremismusfälle häuften.

Ohne Zweifel hat der Brandbrief eines KSK-Hauptmanns an Kramp-Karrenbauer die Debatte befeuert. Der Offizier sprach von rechtsextremen Tendenzen, Kadavergehorsam und Vertuschung. Die Frage bleibt, warum die Bundeswehr bei der Personalauswahl und Ausbildung oft versagte, wenn doch angeblich gerade beim KSK besonders hohe Maßstäbe für die Eignung der Bewerber gelten.

Dass die Ausbildung jetzt nicht mehr in der Hand des KSK liegt, sondern dezentralisiert wird, ist die logische Konsequenz. Die Sicherheitsüberprüfungen der Soldaten und die Eignungstests müssen verschärft werden. Zudem sollte die Dienstaufsicht ihrem Namen wieder gerecht werden. Es darf nicht mehr passieren, dass aus falsch verstandenem Korpsgeist Missstände verheimlicht werden. Der Bundeswehr muss spätestens jetzt klar sein, dass das KSK nur noch auf Bewährung agiert. Sollte die Reform fehlschlagen und weitere Negativschlagzeilen folgen, wäre es wohl das Ende der Eliteeinheit.

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