Kommentar zur Grundrente
Leider nicht zielgenau

Wenn man in einem politischen Lehrbuch erklären wollte, wie es passieren kann, dass lange diskutierte Projekte am Ende teuer und wenig zielgenau sind, könnte man die Grundrente als Paradebeispiel anführen. Im Kern ist die Grundrente eine sehr gute Idee: Sie soll dafür sorgen, dass, wer in seinem Leben viel gearbeitet hat – im Angestelltenverhältnis sowie bei der Fürsorge für Kinder oder pflegebedürftige Angehörige –, im Alter besser dastehen soll als jene, die nicht so fleißig waren.

Donnerstag, 02.07.2020, 08:40 Uhr aktualisiert: 02.07.2020, 09:34 Uhr
Symboldbild. Foto: dpa
Symboldbild. Foto: dpa

Da Geringverdiener und meist Frauen, die viel Familienarbeit geleistet haben, mit ihrer gesetzlichen Rente oft nicht über das Niveau der Grundsicherung hinauskommen, sollen sie einen Aufschlag auf die Rente erhalten. So weit die Theorie. Um mit einer solchen Rente wirklich den Richtigen zu helfen, geht es nicht ohne Regeln.

Im Gesetzgebungsverfahren hat die große Koalition auf Druck der SPD aber leider das Augenmaß verloren. Selbstverständlich hätte bei der Beurteilung, ob ein Senior Anspruch auf die Grundrente haben sollte, zwischen Vollzeit- und Teilzeitarbeit unterschieden werden müssen. Auch hätte es selbstverständlich sein müssen, Einkommen und Vermögen zu prüfen. Nun wird immerhin das Einkommen geprüft. Weil man sich gescheut hat, die Grundrente als Sozialleistung zu deklarieren, was sie aber ist, muss nun die Rentenversicherung die gesamte Bürokratie schultern. Die Entscheidung, der Rentenversicherung alles aufzubürden, wird wiederum zu Enttäuschungen bei den Anspruchsberechtigten führen.

Inzwischen ist klar, dass ab Inkrafttreten der Grundrente am 1. Januar 2021 die möglichen Bezieher bis zu zwei Jahre auf die erste Zahlung warten müssen. Das ist nicht zumutbar. Ein Kerngedanke der Grundrente, die schon seit rund zehn Jahren wechselweise als Lebensleistungs- und Solidarrente diskutiert wird, ist der Schutz vor Altersarmut. Diese Idee erfüllt das Modell, das am Donnerstag im Bundestag verabschiedet werden soll, nur bedingt.

Ein großes Problem ist, dass die Grundrente zwar bei der Rentenversicherung verankert ist, aber ihre Systematik völlig sprengt. Im System der Rentenversicherung wäre es besser gewesen, auf Antrag der möglichen Bezieher, die mit geringen Löhnen überwiegend in Vollzeit gearbeitet oder entsprechend Familienarbeit geleistet haben, die vorhandenen Rentenpunkte höher zu werten.

Kommentare

nocebo  schrieb: 03.07.2020 12:29
Korrektur: es sollte eine Basisrente von 750 Euro geben
.......finanziert aus dem Arbeitgeberanteil aller.

D.h. der Arbeitgeber fuehrt den Arbeitnehmeranteil und den Arbeitgeberanteil an die Rentenkasse ab, wobei nur der Arbeitnehmeranteil individuell gezaehlt wird.

Aus dem Arbeitgeberanteil wird dann fuer alle in der gesetzlichen Rentenversicherung Versicherten eine Basisrente von 750 Euro monatlich unabhaengig seiner Erwerbsbiografie.

Aus dem Arbeitnehmeranteil wird dann die individuelle monatliche Rente.

Das Aequvalenzprinzip bleibt gewahrt, d.h. wer viel lange zahlt bekommt auch eine hohe Rente und umgekehrt.

Warum 750 Euro? Es ist due Haelfte von 1500 Euro, der Eckrente in 2020. Ausserdem ist es ein Wert von dem ein Individuum ganz gut leben kann.

Renten um 1500 Euro wuerden so hoch bleiben, niedrigere Renten wuerden steigen, hoehere Renten wuerden fallen. Die hoeheren Renten werden aber eh meist von Menschen bezogen, die zusaetzlich noch eine Betriebsrente beziehen. Ausserdem, warum bekommt ausgerechnet der, der eh schon einen hohen Beitrag leistet einen hohen “Zuschuss”.

Um es wie gesagt noch gerechter zu machen und auch die Finanzierbarkeit zu wahren:

- Rente mit 63, Finanzierung 15 Jahre aus Rentenkasse, danach aus Steuermitteln

- Stirbt man innerhalb der 15 Jahre, Auszahlung der akkumulierten Restrente an die Hinterbliebenen.

- Alle Renten sollten steuerfrei sein.

=> definitiv keine Altersarmut mehr; mehr Gerechtigkeit
nocebo  schrieb: 02.07.2020 10:22
Fleiss generiert nicht unbedingt Rentenbeitraege!
Familienarbeit auch nicht. Die Hoehe der Rente richtet sich aber in erster Linie an den geleisteten Beitraegen. Und das ist gut so. Alles andere sind versicherungsfremde Leistungen.

Eigentlich brauchte es viele grundlegende Reformen, um Altersarmut zu verhindern und das gesetzliche Rentensystem gerechter zu machen. Solange allerdings auschliesslich Menschen darueber bestimmen, die von einem anderen System alimentiert werden, wird das wohl nichts werden.

Beispiele:
- Grundrente in Hoehe von 500 Euro monatlich unbhaengig von der Erwerbsbiografie aus allen Arbeitgeberbeitraegen. Apuivalenzprinzip bleibt trotzdem gewahrt, dadurch dass es auch noch eine individualrente basierend auf den individuellen Beitraegen (Arbeitnehmerbeitrag) gibt. Hohe Renten fallen, geringe Renten steigen, mittlere Renten bleiben.

- 15 Jahre Zahlung der Rente aus der Rentenkasse danach aus Steuermitteln, Rentenbeitrage bleiben stabil. Festlegung des Renteneintrittsalters auf 63. Wer laenger arbeiten will, bekommt dann Lohn, von dem weiterhin solidarisch Rentenbeitrage abgefuehrt wird und Rente. Renten alle steuerfrei. Stirbt jemand mit 63+ und vor Erreichen des 79. Lebensjahres, Auszahlung der akkumulierten Restrente an die Erben. Erst das wuerde das Auivalenzprinzip ueberhaupt gerecht machen.

Man kann da wirklich unglaublich viel tun, verharrt aber lieber in einer Denkstarre und verwaltet ungerechte Privilegien. Man will halt nicht.
2 Kommentare
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