Kommentar zum Tönnies-Antrag
Legal vielleicht, legitim nicht

Das Empörungspotential ist groß und die Gelegenheit günstig – immer ganz nach dem Motto: Wer will noch mal, wer hat noch nicht. Das Tönnies-Bashing ist dieser Tage in vollem Gange.

Sonntag, 12.07.2020, 19:59 Uhr
Unternehmer Clemens Tönnies. Foto: Oliver Schwabe
Unternehmer Clemens Tönnies. Foto: Oliver Schwabe

Und keine Frage: Fleischbaron Clemens Tönnies aus Rheda-Wiedenbrück hat viel dazu beigetragen, dass er jetzt nahezu ausnahmslos als „Persona non grata“ gilt. Zu vollmundig seine Forderungen vor dem massenhaften Corona-Ausbruch am Stammsitz in Rheda-Wiedenbrück, zu schlampig die Schutzmaßnahmen.

Und nun auch noch der Antrag auf Erstattung der Lohnkosten . All die Empörung ob dieser vermeintlichen Dreistigkeit ändert aber nichts an der Rechtslage: Nach Angaben der Behörden sieht das Infektionsschutzgesetz eine Erstattung vor, wenn Gesundheitsämter einen Betrieb schließen und Quarantäne anordnen. Was nur heißt: So schlecht dürften die Chancen des Tönnies-Konzerns nicht stehen.

NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann scheint das ähnlich zu sehen und appelliert deshalb an das Gewissen des Konzernchefs. Denn nicht alles, was legal ist, ist auch legitim. Und damit hat Laumann Recht. Clemens Tönnies sollte auf die Erstattung der Lohnkosten verzichten. Alles andere macht den Schaden nur größer– für sein Unternehmen und für ihn persönlich.

Kommentare

Hans  schrieb: 17.07.2020 10:24
Planungssicherheit sieht anders aus
Schon etwas seltsam. Das meinte vermutlich einer der Vorschreiber. aktiv mitarbeiten heißt konkret etwas tun. passiv heißt "warten wir mal ab und gucken dann welche Ideen uns so spontan kommen". Also anscheinend sind gestern einem Sachbearbeiter spontan Ideen gekommen, die dazu führen, dass Tönnies aktiv in der Nacht etwas umrüsten musste und jetzt wartet man auf die Abnahme. In einem Umfeld das heißt: "Die müssen sowieso ins Gefängnis, das muss komplett sowieso geschlossen werden, die haben auf nichts einen Rechtsanspruch, die müssen jetzt alles bezahlen an Kosten bzgl. der Pandemie im Kreis" ist Planungssicherheit für Industrie trotzdem wichtig. Das gestern ganz plötzlich ein neuer Begriff sogar von einem Minister geäußert wurde "ordnungsbehördlich" ist schon überraschend. Planungsunsicherheit wird hier das Wort geredet. Also ich denke die Minister sollten schon sagen, dass trotz allem Planungssicherheit und eine verlässliche Argumentation noch gelten sollten.
Fridolin  schrieb: 16.07.2020 08:32
Ein Autokofferraum voller Sachen
Meine Nachbarn habe ich gestern beim Grillen gesehen. Die haben Bier eingekauft. Sogar einen neuen Grill gekauft und Sonnenschirme und Gartenmöbel. Salat, Buffet, gute Stimmung. Dann hört man die Holzkohle. Und dann der Geruch vom Steak und den Bratwürsten. Das ist schon was Feines. Und dazu Ex`s and Oh`s von Elle King.
Frank  schrieb: 14.07.2020 21:33
Und um uns ward's Elysium
So richtig versteht man es nicht. Ja, da sind die drei berühmten Köche, die die Weideschlachtung vorschlagen für das eigene Restaurant. Das sind 5 Rinderschlachtungen in der Woche mit entsprechenden Fleischbeschaukosten. Dann die Handwerker-Metzger auf dem Land. Gibt nochmal 1000 Schweineschlachtungen pro Woche. Aber es bleiben eben noch 100 000 Schweine. Und jetzt ? Das ist wie mit dem Milan. Das Gletschergebiet um den Himalaya versorgt 2 Mrd. Menschen mit Wasser. Die Gletscher dort schmelzen. In Äthiopien baut man einen Nilstaudamm, der mit Ägypten und dem Sudan vermutlich zum Krieg führen wird. Und wir bauen in BW einem der reichsten Hochtechnologieregionen der Welt mit einem grünen Ministerpräsidenten wegen dem Milan keine Windkraftanlagen. Das ist doch keine Moral. Man kann doch hier nicht Gedichte von Klopstock erzählen und so tun als ob Elysium eine Antwort sei. Jetzt wieder diese 130 km auf der Autobahn. Das nenne ich sich drücken vor der Welt.
anton  schrieb: 14.07.2020 05:08
Was wäre wenn
Ich frage mich was wohl wäre, wenn Tönnies Konkurs gehen würde. Und dann Tönnies erklären würde: Die Abnehmer und Investoren sind abgesprungen. Man habe ihm aus der Politik mit Gefängnis gedroht. Man habe ihm aus der Politik das Recht abgesprochen Anträge auf Lohnrückzahlung zu stellen. Man habe ihm aus der Politik mit Schadenersatzforderungen für die Kosten eines ganzen lockdown gedroht. Massiv. Die Politik selbst habe über Jahre nicht das Wohnungsaufsichtsgesetz in NRW benutzt und die Kreise hätten gut an den Steuern gelebt. Diese Mitverantwortung würde ausgeblendet. Hätte eine Klage Tönnies gegen Staat eine Chance ? Das ist ja alles sehr gut belegbar. Und über was sprechen wir da ? 1 Milliarde ? Gestern noch sagte Frau Göring-Eckhardt in die Kamera , dass Tönnies "wissentlich" den Coronaausbruch gehandelt habe. Machen wir doch einfach mal den Trump. "Die Deutschen machen 2020 Urlaub in Deutschland. Auf Campingplätzen. Wandern. Balkonien. Im Garten. Am Baggersee. Da wird wohl gegrillt auf Teufel komm raus. Und die Deutschen schaffen es die eigene Fleischindustrie kaputt zu machen. Die schlachten eventuell sogar massenhaft eigene Schweine und müssen diese entsorgen. Seltsam. Wirklich seltsam. Mitten in einer Wirtschaftskrise. Seltsam. Aber Gut für Rindfleisch aus den USA."
Herbert  schrieb: 12.07.2020 21:38
Das Gewissen schlussfolgert den Antrag um der Bauern willen.
Ich glaube, dass der Antrag um Lohnkostenerstattung sich aus Moral und Gewissen zwingend schlussfolgert. Dieses moralische Schlussfolgern wird sogar noch moralisch erhöht, wenn derjenige im Wissen handelt in der allgemeinen Stimmung leicht als der Gewissenlose angeprangert zu werden und dann dieses sogar noch erdulden muss. Nur das Instrument des Antrages auf Lohnkostenerstattung zwingt die Behörden aus einer passiven Nein- Rolle in eine aktive Entscheider-Rolle des Abwägens. Herr Tönnies handelt im Wissen, dass Notschlachtungen ihm zugeordnet werden würden. Die Behörden müssen seid dem Antrag ein Nein sachgerecht begründen. Dabei dürfen sie nicht den Eindruck erwecken Tönnies müsse Anforderungen wie eine militärische Hochsicherheitsforschungseinrichtung für Kampfviren erfüllen. Dieser Antrag hilft den Bauern in ihrer Not. Und er hilft den Rumänen. Er schafft unbequemen Druck. Dieser Antrag zwingt den einen oder anderen aus dem gefälligen scheinbar moralisch unangreifbaren nicht überdenkenswerten Nein zur sachgerechten Mitarbeit. Das Nein erhält das Warum.
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