Kommentar zu Merkel und Söder
Die geballte Macht der Union

Was für Bilder. Die Kanzlerin und der Ministerpräsident in der Kutsche, auf dem Schiff, im Schloss. Dazu noch eine Pressekonferenz bei strahlend schönem Wetter vor märchenhafter Kulisse und in völliger Übereinstimmung, wie Corona-Krise und EU-Ratspräsidentschaft gemeistert werden sollen. Aber was sind schon weitgehend bekannte Inhalte gegen neue Signale, wer Merkels Nachfolger werden könnte.

Mittwoch, 15.07.2020, 07:30 Uhr aktualisiert: 15.07.2020, 07:34 Uhr
Bayern Ministerpräsident Markus Söder und Bundeskanzlerin Angela Merkel. Foto: Peter Kneffel/dpa
Bayern Ministerpräsident Markus Söder und Bundeskanzlerin Angela Merkel. Foto: Peter Kneffel/dpa

Noch nie hat die Bundeskanzlerin an einer Sitzung des bayerischen Kabinetts teilgenommen. Bayerns langjähriger Ministerpräsident und Wider- sacher Merkels, Horst Seehofer, hätte sie auch nie eingeladen. In fast spöttischer Abgrenzung zu seinem Vorgänger machte Markus Söder nun klar: Sie gehören zusammen. Die geballte Macht.

Selbstverständlich würde sie nie öffentlich sagen, wer ihrer Ansicht nach Kanzlerkandidat werden sollte. So wie sie dazu auch schwieg, als ihre Favoritin Annegret Kramp-Karrenbauer CDU-Vorsitzende – und damit natürliche Anwärterin auf die Kanzlerkandidatur wurde. Nach deren knappem Wahlsieg über Friedrich Merz erlebte man aber eine sichtlich glückliche, eine gelöste und erleichterte Merkel, die ihre Nachfolgerin ander Parteispitze auf offener Bühne vor Freude drückte.

Wer, wenn nicht sie, weiß um die Wirkung von Bildern. Ein Statement war und ist immer auch einfach nur ein Foto mit ihr. Das war ein Grund dafür, warum sie nicht gemeinsam mit Kramp-Karrenbauer im Europawahlkampf 2019 auftrat und diese selbst nach ihrer Ernennung zur Verteidigungs- ministerin nicht im Kanzlerin- Flugzeug nach Amerika mitnahm, obwohl beide zeitgleich eine Dienstreise dorthin an- traten. Merkel wollte Vorwürfe vermeiden, sie würde mit der Kraft der Bilder Einfluss darauf nehmen wollen, wem die Union die nächste Kanzlerkandidatur antragen solle. Aber es machte sich auch Enttäuschung bei Merkel breit, dass Kramp- Karrenbauer der Ansicht war, sie müsse sich von der Kanzlerin inhaltlich absetzen, um zu gewinnen.

Söder hat sich genau angesehen, wer alles Wahlen, Entscheidungen oder Sympathie verlor, der Merkel bekämpfte. Die Liste ist lang. Also warf der CSU-Chef eigene Absetzbewegungen über Bord und gesellte sich an Merkels Seite. Ihr wiederum gefällt Söders vorsichtiges Vorgehen in der Corona- Krise. In Herrenchiemsee hat er den Ritterschlag bekommen.

Kommentare

Paul Schneider  wrote: 15.07.2020 08:37
Geballte Macht
Wenn man um die 40% Stimmenanteil verfügt, dann gibt es keine Veranlassung, die Politik zu ändern. So könnte man meinen. Doch es geht morgen nicht nur um stabile Verhältnisse in Deutschland, die man dann wieder mit der SPD (liegt bei 15 %) als Koalitionspartner "bearbeiten" kann. Sondern es geht um die Zukunft Europas, die auch das Schicksal Deutschlands bestimmt. Wenn Söder nun den "Ritterschlag" erhalten hat, bedeutet das nicht, dass er auch die Statur hat, an der "europäischen Tafelrunde" zu sitzen. Das gilt im übrigen auch für die anderen "Bewerber". Es war von Söder ein "geschickter" Schachzug, die Bundeskanzlerin einzuladen, um zu demonstrieren, dass er an ihrer Seite steht. Merkel macht in der jetzigen Phase der europäischen Unsicherheit über den Fortbestand der EU einen "guten" Job. Sie hat in der Coronakrise, wenn auch zu spät, richtig reagiert. Nicht nur national, sondern es zeichnet sich ein möglicher Weg ab, Europa vor dem Crash zu retten, bzw. den Crash hinauszuschieben. Das ist schon erstaunlich, so viel Engagement an den Tag zu legen, wenn man sein Austrittsdatum selbst festgelegt hat. Wenn man im Arbeitsleben einen festen Kündigstermin hat, dann zeigt die Arbeitslust abfallende Tendenzen. Und man empfiehlt, den Resturlaub zu nehmen.
Wir stehen nicht nur fiskalisch in Europa an einem Wendepunkt, der über "Sein oder Nichtsein" der Union entscheidet. Und aus diesem Grunde bleibe ich nach wie vor der Meinung, dass eine Bundestagswahl von der wirtschaftichen Gesamtsituation Deutschlands und Europas abhängig gemacht werden sollte. Wir können uns keinen Leerlauf leisten. Die jetzige Koalition unter Merkel hat das "Zeug" dazu, die Krise zwar nicht zu meistern, aber erträglich zu machen. Wie sagte der "Leopard" im gleichnamigen Film? Man muss vieles ändern, damit es so bleibt wie es ist.
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