Kommentar: Plötzlich seriös?
Trump setzt auf Imagewandel

Donald Trump steckt in der Krise. Wenn in den USA im Moment gewählt würde, sähe es schlecht um ihn aus. Auch in den entscheidenden und besonders umkämpften Bundesstaaten liegt er deutlich zurück. Sein Herausforderer Joe Biden verspürt dagegen Aufwind. Auch wenn er nur wenig in Erscheinung getreten ist und noch nicht einmal eine ­Vizekandidatin nominiert hat, positioniert sich der von Trump als „schläfriger Joe“ abgekanzelte Demokrat erfolgreich als Mann, der das Land wieder aufbauen kann.

Freitag, 17.07.2020, 09:49 Uhr aktualisiert: 17.07.2020, 09:52 Uhr
Donald Trump. Foto: dpa
Donald Trump. Foto: dpa

Das Corona-Chaos muss sich Trump eindeutig selbst aufs Konto buchen. Man darf sich nichts vormachen: Der harte Kern seiner Anhänger ist noch da. Fast 40 Prozent halten ja in den Umfragen weiter zu ihm – eine unglaublich hohe Zahl, wenn man sein katastrophales Management bedenkt. Doch auch die Basis will bei der Stange gehalten werden. Und Trump kann sie nur noch schlecht erreichen: In den Staaten mit einer für ihn viel versprechenden republikanischen Mehrheit schnellen die Covid-19- Zahlen besonders in die Höhe. Seine erste öffent­liche Rallye in Okla­homa ging bekanntlich in die Hose – die Menschen hatten Angst. Besonders Ältere sind verunsichert und lassen sich mit seinem Gerede über die scheinbare Harmlosigkeit des Coronavirus nicht mehr abspeisen. Sie glauben auch nicht mehr daran, wenn er den erfahrenen Chefimmunologen Fauci als Lügner abkanzelt.

Die alten Fans geraten ins Grübeln, neue Wählerschichten sind nicht in Sicht: Trumps Strategie, Anhänger mit einem Twitter-Gewitter und Massenveranstaltungen auf ihn einzuschwören, geht nicht mehr auf. Bricht sein Kartenhaus aus Lügen, Schuldzuweisungen und Willkür bald zusammen? Der Sündenbock ist schnell gefunden: Wahlkampfchef Brad Parscale, der ihm das Schlamassel von Tulsa beschert hat. Personalwechsel in Wahlkämpfen sind nicht unüblich. Doch den Digital­experten, der ihm 2016 den Wahlsieg organisierte, durch einen erfahrenen Polit-Profi auszutauschen, sagt einiges aus. Trump versucht es offenbar auf die seriöse Tour. Dass er plötzlich Fauci in Schutz nimmt, sogar Maske trägt, spricht Bände. Denn Polarisierung reicht nicht mehr aus – die USA brauchen Perspektiven. Wenn Trump ernsthafte Politikplanung weiter ablehnt, hat er ein Problem. Ein neuer Look mit seriös grau meliertem Haar und ein neuer Manager werden aber sicher nicht reichen, um sein Image zu retten.

Brad Parscale wirft Zuschauern «Make America Great Again»-Hüte zu.

Brad Parscale wirft Zuschauern «Make America Great Again»-Hüte zu. Foto: dpa/Archiv

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