Kommentar zu Ramelows „Fingerzeig“
Unwürdig und dumm

Peer Steinbrück zeigte ihn einst im Foto-Interview. Sigmar Gabriel präsentierte ihn rechten Demonstranten. Das ist nicht anständig – aber es ist etwas völlig anderes, den Stinkefinger als Ministerpräsident im Parlament zu zeigen. Bodo Ramelows beleidigende Geste entwürdigt den thüringischen Landtag.

Sonntag, 19.07.2020, 19:23 Uhr aktualisiert: 19.07.2020, 19:26 Uhr
Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) spricht bei der Regierungsmedienkonferenz in der Thüringer Staatskanzlei. Foto: dpa
Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) spricht bei der Regierungsmedienkonferenz in der Thüringer Staatskanzlei. Foto: dpa

Das Parlament ist der Ort, an dem gewählte Volksvertreter ringen sollen um den besten Weg für das Land – hart, zuweilen emotional, gerne spitzzüngig, manchmal auch derb, aber immer mit Argumenten und nach festen Regeln. Diese (Anstands-)Regeln sind kein Selbstzweck, sie sollen sicherstellen, dass selbst der hitzigste politische Kampf ein Wettstreit der Argumente bleibt.

Ramelow hat in seiner Wut nicht nur dem AfD-Mann, sondern auch diesem demokratischen Grundsatz den Stinkefinger gezeigt. Das ist unwürdig – und dumm. Es ist gewiss kein Fingerzeig, wie mit den Rechtsextremen umzugehen ist, die die (Thüringer) AfD prägen. Die Provokation, das Lächerlich-Machen des Parlamentarismus, ist Strategie bei diesen Demokratiefeinden. Man denke nur an den Auftritt eines AfD-Abgeordneten mit Gasmaske im bayerischen Landtag. Demokraten wehren sich gegen solche Provokationen klug – mit Argumenten und mit Selbstbeherrschung.

Kommentare

Martin  schrieb: 20.07.2020 11:47
Da die AFD zur Verrohung der Sprache und Sitten in Deutschland in hohem Maße beiträgt kann man ihnen gar nicht oft genug den Mittelfinger zeigen. Als Belege dafür braucht man sich z.B. nur mal die Twitter-Nachrichten aller möglichen AFD-Politiker anschauen. Was die da so schreiben ist bei weitem schlimmer als mal einen Mittelfinger gezeigt zu bekommen.
Paul Schneider  schrieb: 20.07.2020 07:01
Unwürdig und dumm
Seit Beginn des Parlamentariusmus in der Bundesrepublik erleben wir doch eine Radikalisierung der Sprache. Wenn man z. B. die Debatten im Bundestag und auch hier in NRW im Landtag verfolgt, dann wird vielfach nicht mehr sachlich und ergebnisoffen diskutiert, sondern wir erleben eine Sprachverrohung. Wobei in diesem Pöbelkrieg die Politiker/innen die professionellen Haupttäter sind. Nun hat Rameloh mit seinen St...finger den Zenit der Pöbelei erreicht. Es ist ein nicht zu akzeptierendes Verhalten, das offensichtlich ein markantes Eigeninteresse zeigt, die AfD zu dämonisieren und mit Etikett der Bösartigkeit - ob berechtigt oder nicht - auszustatten. Für mich ist das ein Zeichen des Verkümmerungstrends der Linken, der bislang nur überwiegend bei der SPD (z. B. Nahles) zu erkennen war. Es geht dem Linken Genossen Rameloh knallhart um seinen Posten und seine politische Existenz. Also liegen die Nerven blank, zumal die AfD in Thüringen das Zünglein an der Waage sein könnte. Es ist m. E. eines Politikers nicht würdig, seine Gefühlslage, basierend auf seinen Zorn, der Öffentlichkeit zu zeigen. Das hat nichts mehr mit politischem Pragmatismus zu tun. Das ist dumm!
2 Kommentare
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