Kommentar zum Prozess in Magdeburg
Neue Dimension

Der Anschlag auf die Synagoge von Halle – ausgerechnet am höchsten jüdischen Feiertag – und die Tötung zweier Menschen weisen in ihrer Dimension weit über die konkrete Tat hinaus. Akzeptiert man diese Betrachtung, ist die Frage, ob der 28-Jährige – genau wie seine Nazi-Genossen aus Oslo, Christchurch oder Chemnitz – juristisch schuldfähig ist, eine individuell zu klärende Frage.

Mittwoch, 22.07.2020, 07:58 Uhr aktualisiert: 22.07.2020, 08:00 Uhr
Symbolbild. Foto: Hendrik Schmidt/dpa
Symbolbild. Foto: Hendrik Schmidt/dpa

Sie erspart dieser Gesellschaft aber nicht die Frage, warum – 75 Jahre nach dem Ende des Nazi-Regimes – und in welcher Form antisemitisches Gedankengut vorhanden ist oder sich ausbreitet. Ist es wieder die Wut auf die anderen, die vermeintlich besser gestellten jüdischen Mitbürger, angeheizt durch rechte Hetzer, die feinsilbig im Holocaust-Mahnmal von Berlin ein „Mahnmal der Schande“ erkennen wollen? Oder zeigt sich im Handeln des Mannes aus Halle das geistige Erbe der SED-Diktatur, die per Staatsdefinition nie eine Aufarbeitung von Schuld am Genozid anstrengte und deswegen auch hier versagte.

Das Gericht darf darüber nicht befinden, sondern nur über die Tat urteilen. Die Gesellschaft – ausdrücklich nicht nur die im Osten – aber muss umso mehr aus den Erklärungsversuchen Antworten ableiten.

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