Kommentar zum Pflichtdienst
Es ist ein Nehmen und Geben

Die Wehrpflicht für Männer wurde 2011 ausgesetzt, weil der Bedarf den massiven Eingriff in die Freiheitsrechte nicht mehr rechtfertigte. Nur noch ein Bruchteil der Männer eines Jahrgangs wurde gezogen. Frauen, die sich Jahre zuvor die Aufnahme in die Bundeswehr erkämpft hatten, gar nicht. Ungleichbehandlung und Ungerechtigkeit wuchsen. Die Bundesregierung entschied sich für eine Freiwilligenarmee.

Donnerstag, 23.07.2020, 07:28 Uhr aktualisiert: 23.07.2020, 07:30 Uhr
Symbolbild. Foto: dpa
Symbolbild. Foto: dpa

Bei einem Dienstpflichtjahr für alle wäre der Gerechtigkeitsfaktor sehr viel höher, wenngleich es immer Ausnahmen gäbe. Aber fest steht: Die verfassungsrechtlichen Hürden sind hoch. „Niemand darf zu einer bestimmten Arbeit gezwungen werden“, steht im Grundgesetz. Und doch gibt es Möglichkeiten. Denn der nächste Satz lautet: „Außer im Rahmen einer herkömmlichen allgemeinen, für alle gleichen öffentlichen Dienstleistungspflicht.“ Die Frage wäre: Was ist herkömmlich? Für die Änderung des Grundgesetzes ist aber eine Zweidrittelmehrheit in Bundestag und Bundesrat nötig. Schwer vorstellbar, dass die CDU genügend Unterstützer dafür bekäme. Sie stößt jedoch eine lohnende Debatte an in einer Zeit, da die Gesellschaft zunehmend Mühe hat, zusammenzuhalten.

Was ist so schlecht an gemeinnütziger Arbeit, Anschauungsunterricht in Solidarität, Zeit für Orientierung und der Suche nach dem richtigen Beruf? Testen, was am besten passt: Menschen, Tiere, Umwelt, Zahlen, Kunst, Verteidigung, Sicherheit? Ein Jahr, das alle leisten müssen. Arm und Reich, mit oder ohne Migrationshintergrund – und ja, Jung oder Alt.

Dieses Jahr sollte sich gar nicht ausschließlich unmittelbar an den Schulabschluss anschließen müssen. Man könnte es auch später antreten. Vielleicht sogar am Ende des Berufslebens, bevor man mit der Rente eventuell in ein Loch fällt. Wieso wäre das verlorene Zeit? Ein Jahr erleben, was dieses Land bietet – und was es

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7505196?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198306%2F2269031%2F
FDP fordert Wirtschaftsvertreter im Aufsichtsrat
Um die Zukunft und den Erhalt des Flughafen Paderborn/Lippstadt tobt ein politischer Streit. Foto: Jörn Hannemann
Nachrichten-Ticker