Kommentar zum Wahlrecht mit 16
Mehr Einfluss für junge Menschen

Das Wahlrecht mit 16 ist nicht ganz zufällig eine Lieblingsidee der Grünen. Sie stehen derzeit in der Gunst der Erstwähler gut da. Bei der Europawahl punkteten sie bei den jungen Wählern stärker als Union, SPD und FDP zusammen. Man kann verstehen, dass es sich die Union gut überlegt, ob sie einer Reform des Wahlrechts zugunsten jüngerer Wähler zustimmt.

Samstag, 01.08.2020, 11:59 Uhr aktualisiert: 01.08.2020, 12:02 Uhr
Die Aufnahme zeigt ein junges Paar, dass vor einem Plakat steht, das für das Wahlrecht ab dem 18. Lebensjahr wirbt. Fünfzig Jahre nach der Senkung des Wahlalters für Bundestagswahlen von 21 auf 18 Jahre dringen SPD und Grüne auf eine weitere Reduzierung. Foto: dpa
Die Aufnahme zeigt ein junges Paar, dass vor einem Plakat steht, das für das Wahlrecht ab dem 18. Lebensjahr wirbt. Fünfzig Jahre nach der Senkung des Wahlalters für Bundestagswahlen von 21 auf 18 Jahre dringen SPD und Grüne auf eine weitere Reduzierung. Foto: dpa

Doch sind diese taktischen Überlegungen allein ein Grund, sich dem generellen Wahlrecht mit 16 zu verschließen? In Österreich hat man es schon vor über zehn Jahren eingeführt. Die Erfahrungen sind positiv, und dort gibt es inzwischen mit Sebastian Kurz auch einen jungen Kanzler – im Übrigen ja ein konservativer Politiker. Auch in Deutschland kann man bei vielen Landtags- und Kommunalwahlen ab 16 zur Urne schreiten. Mit gutem Erfolg.

Das Abweichen von der Volljährigkeit mit 18 Jahren ist Hauptargument gegen das Wahlrecht mit 16. Doch die meisten Jugendlichen von heute sind schon früher reif genug, um politische Entscheidungen in ihrer Tragweite verstehen zu können. Niemand kommt auf die Idee, älteren Wählern, die die Geschehnisse nicht mehr verfolgen können, das Wahlrecht einfach abzusprechen.

Stimmrecht von Familien stärken

Wenn mehr 16- und 17-Jährige zur Wahlurne gehen, wird außerdem das Stimmrecht und damit das Gewicht von Familien insgesamt gestärkt. Ihre Belange finden mehr Gehör. Ohnehin führt die demografische Krise dazu, dass es junge Menschen immer schwerer haben, ihre Bedürfnisse einzubringen. Dass die Schulen oft schlecht ausgestattet sind, die Digitalisierung langsam voranschreitet – all das ist ein Armutszeugnis für eine hoch industrialisierte Gesellschaft wie Deutschland.

Die Prioritäten nachhaltig setzen – das dürfte der jungen Generation ein wichtiges Anliegen sein. Werden 16-Jährige durch eine verstärkte politische Bildung auf die Wahlen vorbereitet, dürften sie rasch die nötigen Kompetenzen besitzen. Auch die etablierten Parteien sollten es deshalb nicht nur als Problem, sondern auch als Chance sehen, jungen Menschen mehr Einfluss zu verschaffen.

Auch sie können ihnen ja ein Angebot machen und haben etwas zu bieten. Wählerströme von heute sind volatil, ändern sich schnell. Warum sollte die Union von mehr Jungwählern also mittelfristig nicht auch profitieren können?

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