Kommentar zu Corona
Wir laufen in eine zweite Welle

Dieser Kommentar ist zahlenlastig, aber das lässt sich nicht vermeiden, möchte man die Corona-Gefahr einigermaßen einschätzen. Auch wenn viele Werte nur Annäherungen sein können, weil es eben auch Dunkelfelder gibt.

Freitag, 07.08.2020, 19:02 Uhr aktualisiert: 07.08.2020, 19:04 Uhr
Ein Schild am Münchner Flughafen. Foto: Peter Kneffel/dpa
Ein Schild am Münchner Flughafen. Foto: Peter Kneffel/dpa

Wir drohen gerade in eine zweite Corona-Welle hineinzulaufen. NRW meldet im Moment jeden Tag so viele Neuinfektionen, wie sie das RKI an manchem Juni-Tag für ganz Deutschland verkündet hatte. Und die Zahl der Neuinfizierten pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen ist bundesweit binnen vier Wochen von 2,9 auf 6,1 gestiegen.

Nun mag sich der eine oder andere damit beruhigen, dass die Zahl der Corona-Toten bei uns vergleichsweise gering ist, haben die USA doch mehr als viermal so viele Opfer pro 100.000 Einwohner. Doch neue Studien zeigen, dass Corona uns nicht nur mit dem Tod droht: Viele, die die Infektion überstanden haben, müssen mit chronischen Folgen bis hin zur Herzschwäche rechnen, und zu ihnen zählen auch junge Menschen: Mit 58.000 bekannten Infizierten stellen die 15-bis 34-Jährigen die zweitgrößte Gruppe nach den 35- bis 59-Jährigen (86.000).

Einen zweiten General-Lockdown wird es nicht geben, weil die Wirtschaft ihn nicht überleben würde. Darum ist jeder mehr als zuvor gefragt, andere und sich zu schützen. Doch diese Bereitschaft fehlt zu oft. So führt der Kreis Herford von den 58 neuen Fällen der vergangenen Wochen 41 auf Urlaubsheimkehrer zurück.

Eine letzte Zahl zum Schluss: Der dünn besiedelte Kreis Höxter hat eine Sieben-Tages-Inzidenz von Null. Ein Indiz, dass Abstand wichtig ist? ­

Kommentare

Beutelipper  schrieb: 08.08.2020 10:51
Genau hinschauen
Die aktuelle Corona-Gefahr ist fast deckungsgleich mit dem Risiko, dem man sich im Straßenverkehr aussetzt. Im Jahr 2019 hatten wir täglich 1049 Verletzte zu beklagen, viele von ihnen schwer mit unabsehbaren Spätfolgen. Junge und alte Menschen, dazu 8 bis 9 Tote. Auffällig ist, dass das Thema Corona noch immer den allergrößten Teil des Nachrichtenaufkommens ausmacht, während uns die Folgen unser exzessiven Ausübung des Rechts auf Freiheit durch PS-starke Autos schon lange nicht mehr interessiert. Schon gar nicht den Verkehrsminister, der sich gegen ein längst überfälliges Tempolimit mit allen Mitteln wehrt. Dabei verlangt niemand den Shutdown von Autobahnen, die Beschränkung auf maximal ein Auto pro km Wegstrecke und ein Tempolimit auf 60, obwohl es die obige Statistik erheblich verbessern würde und die Opferzahlen gegen null tendieren ließe. Da ist uns unsere Freiheit schon wichtiger.

Ja, wir brauchen Experten wie Lauterbach, die zu Recht nicht aufhören, zu warnen. Aber wir benötigen auch Menschen mit Pragmatismus, die die gesamte Situation im Blick haben und die Zahlen, auch andere Gefahren betreffend, lesen und verstehen können. Corona ist nicht DIE Bedrohung, sondern eine von vielen. Und wir brauchen freie und mündige Bürger, die nicht ständige Ansagen vom Staat brauchen, sondern eigenverantwortlich handeln. Es wird keinen zweiten Shutdown geben und der erste wäre auch nicht notwendig gewesen. Das sagen jedenfalls die Zahlen vom RKI.

Momentan werden "Urlaubsheimkehrer" stigmatisiert. Wer sich an den Nordseestrand gelegt hat wie die Ölsardinen, hat alles richtig gemacht, wir sollen ja Urlaub in Deutschland machen. Wer im September von der Costa Brava heimkehrt, gefährdet dagegen andere, weil sich im dicht besiedelten und ggf. weit entfernten Barcelona die Menschen nicht an die Regeln halten. Aber "Höxter" gibt es in Katalonien auch. Dort hat man im September hunderte Meter Strand für sich allein. Genau hinschauen statt in Stein gemeißelte Geschichten erzählen ist angesagt.

Wird kein Impfstoff gefunden, wird Corona zur ständigen Alltagsgefahr werden. Wie das Auto. Wer Auto fährt, schnallt sich an, fährt vorsichtig und hält Abstand. Und wer andere Menschen trifft, wird eben bis auf Weiteres Hygienemaßnahmen treffen müssen, um die Corona-Gefahr zumindest nicht wachsen zu lassen.
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