Kommentar zum russischen Corona-Impfstoff
Gefährliches Experiment

Es klingt nach dem lange erwarteten Durchbruch im Kampf gegen das Coronavirus, am Ende ist es jedoch ein hochgefährliches Experiment.

Dienstag, 11.08.2020, 19:50 Uhr aktualisiert: 11.08.2020, 20:52 Uhr
Juli 2020: Eine angebliche Gruppe Freiwilliger, die sich für eine Impfstoff-Studie zur Verfügung gestellt haben soll, verlässt das Burdenko-Militärkrankenhaus außerhalb von Moskau. Foto: -/Russian Defense Ministry Press Service/AP/dpa
Juli 2020: Eine angebliche Gruppe Freiwilliger, die sich für eine Impfstoff-Studie zur Verfügung gestellt haben soll, verlässt das Burdenko-Militärkrankenhaus außerhalb von Moskau. Foto: -/Russian Defense Ministry Press Service/AP/dpa

Einen Impfstoff zuzulassen, der zuvor nicht in einer Phase-III-Studie an einer größeren Gruppe Menschen getestet wurde, ist vergleichbar mit einem Vertriebsstart eines neuen Automodells, das seine Zu­verlässigkeit zuvor nur im Labor und nicht auf der ­Straße bewiesen hat.

Der russische Staat will den Prestige-Erfolg der Ent­wicklung des ersten Corona-Impfstoffes offenbar so sehr, dass er bereit ist, dafür unkalkulierbare Risiken einzu­gehen. Selbst wenn sich das Vakzin letztlich als wirksam erweisen sollte, sind Nebenwirkungen zu befürchten, die in den kleinen Testgruppen zuvor nicht aufgetreten sind. Es ist eher unwahrscheinlich, dass Wladimir Putin seine eigene Tochter tatsächlich dieser Gefahr ausgesetzt hat.

So sehr die Welt auch einen Impfstoff herbeisehnt, gilt es Geduld zu bewahren. Es wird zwar im vertretbaren Rahmen beschleunigte Genehmigungsverfahren geben, ein medizinisches Himmelfahrtskommando, wie es derzeit in Russland anläuft , sollte jedoch unter allen Umständen vermieden werden.

Kommentare

Paul Schneider  schrieb: 12.08.2020 08:30
Gefährliches Experiment
Ist es wirklich der verheissungsvolle Impfstoff, der uns aus Russland präsentiert wird? Oder ist es ein mRNA-Impfstoff, der eine nie wieder rückgangigmachende Genmanipulation darstellt? Und will ich mich dann genetisch manipulieren lassen. Entspricht die Einsetzung eines Impfstoffes der Schutzpflicht des Staates, wenn er langfristig und kollektiv das Leben einschränkt? Ist Russlands Entscheidung eine Blaupause für die westlichen Staaten? Oder entwickelt sich hierzulande auch ein "Krankheitsvermeidungsabolutismus", so wie es der Staatsrechtler Uwe Volkmann sieht. Lesenswert dazu ist ein Artikel im "Spiegel" von Johannes Thumfart (auch im Netz), der das Verhalten von Staat und Bürger unter die Lupe nimmt.
1 Kommentare
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