Kommentar zur Digitalität im Alter
So wichtig wie der Wasseranschluss

Ärmere Menschen haben einen schlechteren Zugang zu Gesundheitsversorgung und guter Pflege, und sie sterben früher. Die Digitalisierung droht diesen Trend zu verstärken. Denn auch der Zugang zum Internet hängt nicht zuerst vom Alter, sondern vor allem von Bildung und Wohlstand ab.

Mittwoch, 12.08.2020, 22:46 Uhr aktualisiert: 12.08.2020, 22:50 Uhr
Senioren sollen beim Thema Digitalisierung mitgenommen werden. Foto: dpa
Senioren sollen beim Thema Digitalisierung mitgenommen werden. Foto: dpa

Das heißt, ärmere Senioren haben auch weniger Möglichkeiten, medizinische Versorgung und Pflege online abzurufen oder sich in Portalen zu informieren. Bei den Senioren gibt es also das gleiche Problem wie bei den Schülern. Löblich ist, dass die Bundesregierung die Digitalisierung der älteren Generation zum zentralen Thema ihres achten Altersberichts gemacht hat . Der Umgang mit dem Befund ist wieder einmal schwerfällig. Wenn die Erkenntnis da ist, dass der Internet- Zugang für alle Haushalte zur Daseinsvorsorge gehört, also ebenso wichtig ist wie Wasser- und Stromanschluss, dann ist es rätselhaft, warum die Seniorenministerin bei diesem Thema ihren Koalitionspartnern CDU und CSU in Wirtschaftsministerium, Verkehrsressort und Kanzleramt nicht mehr treibt. Lücken in der Versorgung gibt es vor allem auf dem Land – und dort wohnen überproportional viele Senioren.

Der Altersbericht ist am Mittwoch in Berlin mit vielen warmen Worten und Hinweisen vorgestellt worden, dass menschliche Begegnungen wichtig bleiben. Dagegen ist nichts einzuwenden. Die konkreten Konzepte, wie man das soziale Gefälle beim Zugang zum weltweiten Netz abbaut, haben ebenso gefehlt wie ein Konzept, um Hochbetagten mehr Möglichkeiten zu verschaffen, an der digitalen Welt teilzuhaben.

Digitalisierung der älteren Generation muss zudem mehr bedeuten, als mit den Enkelkindern zu chatten und Waren im Netz zu bestellen. Insbesondere in Corona- Zeiten, in denen Senioren noch mehr als Jüngere auf soziale Kontakte außer Haus verzichten müssen, ist die Frage von Breitbandausbau und durchgehender Mobilfunkversorgung mindestens genauso wichtig wie die regelmäßige Müllabfuhr.

Wann, wenn nicht im Corona-Jahr 2020, gibt es die Chance, der Digitalisierung aller Haushalte Priorität einzuräumen? Sollte es bis zum Wahljahr 2021 nicht entscheidende Fortschritte für Zugang und Ausrüstung aller Altersgruppen zum Internet geben, werden die Abgehängten ihrem Ärger Luft machen.

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