Kommentar zum Preiswerbeverbot
Noch viele Fragen offen

Was will man in Deutschland eigentlich noch alles verbieten? Der Unmut über den Plan der Landwirtschafts- und Ernährungsministerin, die Werbung mit Billigangeboten für Fleisch zu verbieten , ist programmiert. Und möglicherweise sind unter denen, die schimpfen, sogar einige, die sich gerade noch über die Ausbeutung der Arbeiter in den Schlachthöfen aufgeregt haben.

Montag, 24.08.2020, 20:44 Uhr aktualisiert: 24.08.2020, 21:02 Uhr
Symbolbild. Foto: dpa
Symbolbild. Foto: dpa

Trotz aller Diskussionen um die Folgen für die gesunde Ernährung, Tierwohl und Klimaschutz: Viele Verbraucher nutzen den Fleischpreis weiter als Orientierung, wo der Einkauf tatsächlich oder vermeintlich besonders günstig ist. Mehr noch: Wie früher der Brotpreis gibt er vielen Orientierung für die allgemeine Entwicklung der Lebensmittelpreise.

Es gibt also Gründe, warum es nicht nur zur Grillzeit und vor großen Festen wichtig ist, wie viel das Pfund Gehacktes, Schnitzel oder Steak kostet. Der Handel weiß das und reagiert entsprechend. Leidtragend sind besonders die Landwirte, die beobachten, dass ihre Ware von den Lebensmittelhändlern teilweise unter deren Einkaufspreis verkauft – im Jargon der Kritiker: verramscht – wird. Oft bleibt den Bauern nichts anderes übrig, als den Kostendruck weiterzugeben. Die Letzten in der Kette sind dann die Tiere.

Die Zeiten ändern sich

Doch die Zeiten ändern sich. Spüren kann man es, wenn gerade wieder ein neuer Skandal den Menschen den Appetit verleidet. Doch der Unmut hält heute länger an. Ob bei Gesprächen in Bus oder Bahn oder in den Kommentarspalten der traditionellen und der neuen Medien, man kann es hören und lesen: Billigangebote lösen mehr Fragen aus als Begeisterung.

Gleichwohl ist es für ein Verbot der Preiswerbung für Fleisch- und Wurstwaren wohl noch zu früh. So muss erst einmal definiert werden, wie viel Fleisch in einem Lebensmittel sein muss, damit es unter das Gesetz fällt. Und dann: Wann ist es Werbung, wann Information? Ist das Preisschild an der Theke Werbung? Sicher nicht. Und wenn es Plakatgröße hat?

Schwierig wird es zudem bei der Frage nach Kollateralschäden – also nach den Folgen für nicht mittelbar Beteiligte. Für Landwirte, für die Medien? Für Sport-, Kultur- und Veranstaltungsbranche? Das Tabakwerbeverbot, so viele Anhänger es heute hat, riss ein großes Loch etwa in die Kassen von Kinobetreibern.

Und noch etwas: Soll man beim Fleisch aufhören? Oder bei der Milch? Butter? T-Shirts? Schuhen? Produkte, die zu billig sind, gibt es viele. Verbraucher, die kritisch nach den Produktionsbedingungen und den Folgen fragen, leider noch immer zu wenige.

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