Kommentar zu Verdi-Klagen gegen verkaufsoffene Sonntage
Prinzipien- und Paragrafen-Reiter

In Industrie, Handwerk, Gastronomie und natürlich im Handel: Überall erzwingt die Corona-Pandemie riesige Veränderungen. Um die Existenz zu sichern, machen Unternehmer, Arbeitnehmer und Politiker Dinge möglich, die vorher als undenkbar galten. Nur einer reitet weiter die Paragrafen und seine Prinzipien, als sei nichts geschehen: Verdi in NRW.

Mittwoch, 26.08.2020, 05:00 Uhr
„Entschuldigung, wir haben geschlossen.“ Wird es solche Schilder wie nach früheren Klagen von Verdi gegen Sonntagsöffnungen auch 2020 geben? Foto: dpa
„Entschuldigung, wir haben geschlossen.“ Wird es solche Schilder wie nach früheren Klagen von Verdi gegen Sonntagsöffnungen auch 2020 geben? Foto: dpa

Störrischer als ein Kleinkind im Trotzalter besteht die Dienstleistungsgewerkschaft auf dem Verbot von Sonntagsöffnungen. Die Tränen ob der Schließung vieler Handelsstandorte – zuletzt von Karstadt Galeria Kaufhof – sind noch nicht trocken, da kündigt Verdi Klagen gegen die von der Landesregierung ermöglichten Ladenöffnungen an vier Sonntagen an – ausnahmsweise, wegen Corona, auch unabhängig von großen Stadtfesten.

Juristisch hat Verdi gute Karten. Aber muss eine Gewerkschaft Recht durchsetzen, wenn sie dadurch den Beschäftigten in der Branche schadet? Viele Verkäuferinnen und Verkäufer wären froh, wenn sie das Loch, das die Kurzarbeit in ihre Haushaltskasse riss, durch zusätzliche Arbeit etwas füllen könnten. Und wichtiger noch: Sie wissen, dass diese ihre Jobs ein bisschen sicherer machen würde. Verdi weiß das nicht.

Kommentare

Paul Schneider  schrieb: 26.08.2020 10:06
Sonntagsarbeit
Wenn der Kommentator hier den Eindruck vermitteln will, dass durch die Öffnung der Läden die Mitarbeiter/innen mehr in der Lohntüte haben würden, dann liegt er falsch.
Sonn- und Feiertagszuschläge werden im Arbeitsvertrag, anwendbaren Tarifvertrag oder durch eine Betriebsvereinbarung geregelt. Gesetzlich sind keine Zuschläge vorgesehen.
Der Gesetzgeber schreibt in § 11 Arbeitszeitgesetz den Zeit-Ausgleich für Sonn- und Feiertagsbeschäftigung vor. Und in Abs. 2: Werden Arbeitnehmer an einem Sonntag beschäftigt, müssen sie einen Ersatzruhetag haben, der innerhalb eines Zeitraumes von zwei Wochen zu gewähren ist. Also erfolgt keine zusätzliche Bezahlung.
Und was ist, wenn die Teilzeitkräfte sich nicht auf einen Tarifvertrag berufen können. Was ist mit denen, die nur einen 450-Euo-Job haben?
Auch die Annahme, dass durch den zusätzlichen verkaufsoffenen Sonntag der Umsatz steigen wird, ist eine Fehleinschätzung. Der Sonntagseinkauf verlagert nur die sonst üblichen Einkaufszeiten der Verbraucher/innen. Auch das verfügbare Einkommen nimmt ja nicht zu.
Und noch eine Anmerkung: Wir wie wird sich die katholische Kirche dazu stellen, die den Sonntag als "heilig" betracht?
Hier nur die Gewerkschmaften verantwortlich zu machen, geht fehl.
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