Kommentar zum Erdgas-Streit im Mittelmeer
Die große Maas-Mission

Ein Konflikt unter Nato- Partnern mit militärischem Muskelspiel auf beiden Seiten – das hätte der Allianz gerade noch gefehlt. Das Bündnis ist mit weltweiten Löscharbeiten, einer Unwucht im transatlantischen Verhältnis und der Corona-Krise schon ausreichend beschäftigt. Im östlichen Mittelmeer schwelt seit Wochen ein Konflikt zwischen der Türkei und ihrem ewigen Gegner Griechenland , den Ankara mit Erdgaserkundungen in Gewässern vor griechischen Inseln gezielt befeuert hat. Nato wie auch EU befürchten eine Eskalation im Mittelmeer.

Dienstag, 25.08.2020, 21:11 Uhr aktualisiert: 25.08.2020, 21:14 Uhr
Außenminister Heiko Maas (SPD). Foto: dpa
Außenminister Heiko Maas (SPD). Foto: dpa

Auch aus diesem Grund ist Außenminister Heiko Maas jetzt zu einer Vermittlermission in beide Länder gestartet. Vor Wochen hatte bereits Bundeskanzlerin Angela Merkel zwischen Athen und Ankara in der Angelegenheit vermittelt und eine drohende militärische Auseinandersetzung erst einmal gebannt.

Wie lange geht dieser Streit unter diesen Nato-Partnern noch gut?

Doch die aggressive Politik der Türkei, die im Stile einer regionalen Hegemonialmacht agiert, geht weiter. Ankara lässt ungeniert weiter Gasvorkommen südlich der türkischen Küste erkunden und reklamiert – gegen griechische Gebietsansprüche – diese Gewässer für sich. Nur wie lange geht dieser Streit unter diesen traditionell feindselig gestimmten Nato-Partnern noch gut? Im Bündnis sind sie Waffenbrüder, als Nachbarn kämpfen die Türkei und Griechenland in harter Gegnerschaft um Terrain und Rohstoff. Jetzt wetteifern sie auch noch mit eigenen Militärmanövern.

Mit Telefon-Diplomatie ist diesem Konflikt offenbar nicht mehr beizukommen. Der deutsche Außenminister ist deshalb zu seiner ganz persönlichen Maas-Mission aufgebrochen. Er hat dabei die Autorität seines Amtes und das Gewicht der deutschen EU-Ratspräsidentschaft im Rücken. Ende dieser Woche versammelt Maas seine EU-Außenministerkollegen in Berlin. Griechenland wird dabei besonders gehört werden. Denn: Die EU kann nicht zulassen, dass mit einem ihrer Mitglieder derart umgesprungen wird, wie es die Türkei gerade wieder mit Griechenland versucht.

Zu seinem türkischen Amtskollegen Mevlüt Cavusoglu, mit dem Maas schon symbolträchtig in der deutschen Regierungsmaschine von Ankara nach Istanbul flog, pflegt der SPD-Politiker eine passable Arbeitsbeziehung. Die Türkei muss ihre andauernden Provokationen beenden. Auch wenn sie der EU mit dem umstrittenen Flüchtlingsdeal hilft, ist dies kein Freibrief, in der eigenen Nachbarschaft permanent zu zündeln.

Kommentare

Paul Schneider  schrieb: 26.08.2020 08:41
Maas-Mission
Warum hat die NATO bei dem hegemonalen Streben der Türkei in Nordsyrien, bei den Drohungen gegen Libyen und den anderen "Muskelspielen" nicht bei dem Mitgliedstaat interveniert? Antwort: DieTürkei ist geopolitisch ein "Brückenkopf" im Nahost-Labyrinth. Und aus diesem Grunde hat man auch keine Reaktion bei der Annektion von Nordzypern durch die Türkei gesehen. Und diese Brückenköpfe werden in naher Zukunft eine wichtige Rolle in einer militärischen Auseinandersetzung spielen. Also hat die Türkei von der NATO auch jetzt kein nennenswertes Sperrfeuer zu erwarten. Die Türkei befindet sich in einer schwierigen wirtschaftlichen Lage. Und Erdogan braucht einen richtigen Erfolg. Dafür erscheint ihm die Gewinnung von Bodenschätzen im Mittelmeer willkommen, da die "Sockeltheorie", wo ein Land den Meeresboden beanspruchen kann, auf sehr wackeligen Füssen steht. Maas kann und wird hier nicht konsequent Forderungen erheben, denn dann muss Europa mit der Beendigung des Flüchtling-Deals rechnen. Wie hatte Erdogan vor einem Jahr gesagt: "Wenn wir die Schleusen öffnen, überleben eure Regierungen keine 6 Monate". Inzwischen wurde die Brüchigkeit dieses Deals deutlich. Denn die Türkei nimmt wesentlich weniger Migranten zurück als Griechenland notgedrungen aufnimmt. Und Griechenland, dass nachder Einführung des Euros, wirtschaftlich fast in den Ruin getrieben wurde, hat schon lange seine Wettbewerbsfähigkeit verloren. Durch die Gewinnung von Oel und Gas könnte sich die Zahlungsbilanz positiv ändern, zumal China, das ebenfalls ein "Brückenkopf" mit dem Hafen von Piräus hat und somit auf Zugang zu den Reserven hegt. Auch hier ist das für Mass eine heikle Situation, denn für die miserable wirtschaftliche Situation Griechenlands sind die europäischen Eliten mitverantwortlich. Was ist zu erwarten? Man wird beide Kontrahenten mit erheblichen wirtschaftlichen Versprechungen an den Verhandlungstisch holen.
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