Meinung
Auf Teufel komm raus

Didi Senft ist im Radsport eine Berühmtheit. Der 68-Jährige hat bei jeder Tour de France seinen großen Auftritt, als Teufel verkleidet feuert er die Fahrer an. Auch in diesem Jahr will Senft in Frankreich dabei sein – mit Mund-Nase-Schutz.

Freitag, 28.08.2020, 22:19 Uhr aktualisiert: 28.08.2020, 22:22 Uhr
Eine Frau trägt beim Fahrradfahren einen Mundschutz, als sie an einem Logo der Tour de France vorbeifährt. Foto: Christophe Ena/AP/dpa
Eine Frau trägt beim Fahrradfahren einen Mundschutz, als sie an einem Logo der Tour de France vorbeifährt. Foto: Christophe Ena/AP/dpa

Auf Teufel komm raus könnte das Motto der 107. Tour sein. Die Veranstalter hatten schon nur zähneknirschend die Verlegung um zwei Monate hingenommen. Eine komplette Absage stand für Tourchef Christian Prudhomme nie zur Debatte. Auch jetzt nicht, wo nicht nur Startort Nizza, sondern auch Zielort Paris und 19 weitere von 101 Départements „Rote Zonen“ (bedeutet: erhöhte Ansteckungsgefahr) sind. Die Corona-Zahlen in Frankreich steigen und steigen. Doch die Räder müssen rollen – damit der Rubel rollt.

Das Gesundheitsrisiko der Fahrer und Zuschauer? Kaum einzuschätzen. Dass überhaupt Fans zugelassen sind, bereitet auch vielen Fahrern große Sorgen. Laut Veranstalter ASO sollen die Zuschauer mindestens zwei Meter Abstand zu den Fahrern halten. Wer die Tour in den vergangenen Jahren verfolgt hat, kann kaum glauben, dass sich alle daran halten. Abstands- und Maskenpflicht sind schwer zu kontrollieren.

Kommt die Tour überhaupt bis Paris?

Die Fahrer werden regelmäßig getestet, ein positiver Corona-Test hat den sofortigen Ausschluss zur Folge. Es wäre keine Überraschung, wenn nur ein überschaubarer Teil der 176 an diesem Samstag startenden Sportler die Tour beenden würde. Angesichts der Infektionszahlen in Frankreich bangen die Macher wohl sogar darum, ob die 107. Ausgabe der Rundfahrt überhaupt bis nach Paris kommen wird. Das schwebe wie „ein Damoklesschwert über uns, dass jeder Tag der letzte sein kann“, hatte der viermalige Zeitfahrweltmeister Tony Martin jüngst gesagt.

3484,2 Kilometer sollen in den nächsten drei Wochen zurückgelegt werden. Jeder einzelne davon, der ohne Probleme gefahren wird, ist ein Erfolg. Es bleibt nur zu hoffen, dass diese Tour das Image des Radsports nicht nachhaltig beschädigt – so wie früher die Dopingfälle. Ach so, auf unerlaubte „Hilfsmittel“ werden die Fahrer auch getestet, nicht „nur“ auf das Coronavirus. Doch Covid-19 beherrscht die Schlagzeilen. Vor dem Start, und sicher auch in den kommenden Wochen. Falls sie so lange läuft.

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