Kommentar zur Linkspartei
Ein Platz in der Nische wäre frei

Nein, mit einer SED-Vergangenheit kann man die designierte neue weibliche Doppelspitze der Linkspartei wahrlich nicht konfrontieren. Sowohl Susanne Hennig-Wellsow, 1978 in Mecklenburg-Vorpommern geboren und seit 20 Jahren in der Landespolitik in Thüringen eine der einflussreichsten Politikerinnen, als auch die 39-jährige Janine Wissler aus Hessen weisen eine gesamtdeutsche Biografie auf.

Montag, 31.08.2020, 08:14 Uhr aktualisiert: 31.08.2020, 08:18 Uhr
Susanne Hennig-Wellsow Foto: Martin Schutt/dpa
Susanne Hennig-Wellsow Foto: Martin Schutt/dpa

Dennoch dürfte die Partei auch nach dem Abgang von Katja Kipping und Bernd Riexinger noch immer von Gegensätzen zwischen Ost und West geprägt sein. Doch diese sind nicht historischen Ursprungs, sondern begründen sich vor allem durch die relative Stärke der Linkspartei bei den Landtagswahlen in den neuen Bundesländern.

In Thüringen regiert „ihr“ Ministerpräsident Bodo Ramelow, in Berlin ist sie Juniorpartner der Koalition, in allen ostdeutschen Landesparlamenten ist sie vertreten – noch immer ist die Partei im Osten stärker präsent als im Westen. Doch auch hier bröckelt die Basis, die Wählerschaft allein wird allein biografisch bedingt geringer. Doch vor allem ist ihr in der rechtspopulistischen AfD eine Konkurrenz erwachsen, die mit scheinbar einfachen Lösungsvorschlägen das vermeintliche Ost-Benachteiligungsgefühl anspricht und damit teilweise reüssiert. Zu dieser parteipolitischen Herausforderung kommt die Tatsache, dass gerade die Linkspartei mit ihrem Führungspersonal nicht pfleglich umgeht. Gregor Gysi und Oskar Lafontaine, Dietmar Bartsch und Amira Mohamed Ali – hier schwelen nicht nur ideologische Konflikte, sondern immer auch persönliche Verletzungen mit. Die kommenden Monate stellen die Partei aber vor entscheidende, wohl auch existenzielle Herausforderungen. Sollte in Thüringen Bodo Ramelow scheitern, wäre das Vorzeigeprojekt „linker Ministerpräsident“ gescheitert. Und landet die Partei bei der Bundestagswahl hinter Union, SPD, Grünen, AfD, FDP auf Platz sechs, würde sie erneut auf den Status einer ostdeutschen Regionalpartei reduziert.

Eine Kandidatur und mögliche Inthronisierung von Hennig- Wellsow und Wissler wäre aus Sicht der Partei nicht unklug. Beide stehen für eine Protestkultur, die sich zwischen globalisierungskritischen Attac, der Antifa und dem Widerstand gegen Rechtsradikale im Osten bewegt. Eine Nische, die von einer schwächelnden SPD und den nach Regierungsverantwortung strebenden Grünen offen gelassen wurde und deswegen durchaus eine gewisse Wählerrendite versprechen könnte.

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