Kommentar zum Kinderbonus
Eine kluge Mischung

Dass der Staat in einer tiefen Krise einspringen und Geld unter die Leute bringen muss, ist mittlerweile common sense. Wie er das tun soll, ist allerdings umstritten.

Montag, 07.09.2020, 07:25 Uhr aktualisiert: 07.09.2020, 07:28 Uhr
Symbolbild. Foto: Felix Kästle/dpa
Symbolbild. Foto: Felix Kästle/dpa

Manche Ökonomen sind für direkte Zahlungen des Staates an die Bürger, etwa durch Schecks wie in den Vereinigten Staaten von Amerika. Andere bevorzugen Steuersenkungen und verbesserte Abschreibungsbedingungen für Unternehmen. Die Dritten sind für deutlich mehr staatliche Investitionen. Die Bundesregierung wählte für ihr 130-Milliarden-Euro-Konjunkturpaket eine Mischung aus diesen drei Möglichkeiten: Es gibt den Kinderbonus als direkte Zahlung, die Mehrwertsteuersenkung für alle und mehr Staatsgeld für Straßen, Kitas und Gesundheitssystem.

Ökonomen, die die Nachfrageseite der Volkswirtschaft für wichtiger halten, sehen im Kinderbonus das allerbeste Instrument zur Konjunkturstützung und fordern dessen Erhöhung. Laut einer Umfrage wollen zwei von drei Familien das von heute an ausgezahlte Geld zumindest teilweise wieder ausgeben, so dass der Einzelhandel und Dienstleister höhere Umsätze machen.

Allerdings gibt es auch eine Vielzahl von Familien, die das Geld lieber zurückhalten und auf die hohe Kante legen wollen. Der durchschnittliche Zahlbetrag, der tatsächlich ausgegeben werden soll, liegt laut der Umfrage bei lediglich 128 Euro, das ist weniger als die Hälfte des Bonus von 300 Euro pro Kind. Die Konjunkturwirkung der Maßnahme ist also begrenzt. Ähnlich sieht es mit der erheblich teureren Mehrwertsteuersenkung aus, die von Ökonomen bejubelt wurde, die eher von der Angebotsseite her denken. Viele Gastronomen und Dienstleister geben die geringere Mehrwertsteuer anders als der Einzelhandel erst gar nicht an die Verbraucher weiter. Deshalb ist auch der Impuls dieser Maßnahme begrenzt.

Deutlich mehr Wirkung dürften dagegen die Sonderabschreibungen für Unternehmen entfalten, aber die sind in der Bevölkerung eben weniger populär. Nur begrenzt wirken aber auch die staatlichen Mehrinvestitionen, die so gar nicht schnell genug auf den Weg gebracht werden können. Wenn neue Bauprojekte starten, ist die Krise schon vorüber. Deshalb war es unter dem Strich richtig von der Regierung, gleichzeitig auf alle drei Wege zu setzen. Es gibt aber einen Wermutstropfen: Das Konjunkturpaket enthält Regelungen, die Einkommensstärkere diskriminieren. So werden sie den Kinderbonus wegen der Verrechnung mit dem Kinderfreibetrag nicht spüren.

Für viele Betroffene ist das nicht schlimm. Aber die Angewohnheit, bei jeder Regelung auf soziale Gerechtigkeit zu achten, schmälert die Leistungsbereitschaft gerade derjenigen, die die Konjunktur nun wieder ans Laufen bringen sollen.

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