Kommentar zu Trump und Corona
Auf der ganzen Linie versagt

Dies ist, verehrte Bürger, eine Rede, die mich schmerzt und die ich niemals halten wollte. Doch die Bürde des Präsidentenamtes verlangen, dass ich nun zu Ihnen spreche: Ich habe die Bedrohung durch das Coronavirus bewusst verharmlost. Ich habe die Lage absichtlich beschönigt und es unterlassen, mit aller Konsequenz und schnell staatliche Schritte einzuleiten. Ich habe bei der größten Herausforderung meiner Amtszeit, die bis heute fast 200 000 Menschen das Leben gekostet hat, versagt. Dies ist eine fürchterliche Last, die es nicht mehr rechtfertigt, dass ich der Nation vorstehe. Ich trete deshalb mit sofortiger Wirkung als Präsident der Vereinigten Staaten zurück.“

Donnerstag, 10.09.2020, 20:55 Uhr aktualisiert: 10.09.2020, 20:58 Uhr
US-Präsident Donald Trump Foto: dpa
US-Präsident Donald Trump Foto: dpa

Diese hypothetischen Worte sollte eigentlich Donald Trump in dieser Woche sprechen. Doch der Präsident wird natürlich eine solche Rede nicht halten. Schließlich gehört es zur Tradition der meisten Politiker nicht nur in den USA, persönliche Verantwortung zu scheuen, selbst wenn das Versagen zum Himmel schreit. Und das ist beim US-Präsidenten, wie es jetzt durch die aufgezeichneten Gespräche mit dem Buchautor Bob Woodward deutlich geworden ist, nicht mehr zu leugnen.

„Ich wollte es immer herunterspielen“, gestand Trump gegenüber Woodward am 19. März ein, nachdem weltweit längst alle Alarmglocken geläutet hatten und der Präsident am 7. Fe- bruar bereits von „tödlichem Zeug“ gesprochen hatte, das sich durch die Luft verbreite und deshalb „gefährlicher“ sei. Ausgerechnet wieder Woodward. Jener Mann, der zusammen mit seinem Reporter-Partner Carl Bernstein 1972 durch die „Watergate“-Enthüllungen das Ende der Ära Richard Nixons eingeläutet hat. Nun scheint sich Geschichte zu wiederholen. Als pikante Randfrage steht dabei im Raum, warum Trump Woodward 18 Mal Interviews gewährte – und nicht den Mund hielt.

Als Antwort drängt sich auf: Trump, der große redselige Täuscher, glaubte offensichtlich, auch den Pulitzer-Preisträger in die Irre führen zu können. Aber auch Woodward muss sich fragen lassen: Hätte er nicht Leben retten können, wenn er Trump viel früher enttarnt hätte? Nun wird am 3. November gewählt. Der harte Kern von Amerikas Konservativen wird weiter hinter Trump stehen. Doch Wechselwähler, politisch Schwankende und jene Demokraten, die 2016 frustriert von acht Jahren unter Barack Obama für Trump stimmten, müssten dem Präsidenten eine zweite Amtszeit versagen.

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