Kommentar zu den NRW-Kommunalwahlen
Politik vor der eigenen Haustür

Armin Laschet steht gar nicht zur Wahl – und dennoch steht für den NRW-Ministerpräsidenten an diesem Sonntag einiges auf dem Spiel. Denn selbstverständlich wird der Ausgang der NRW-Kommunalwahlen auch als Stimmungsbarometer für die Bundesparteien und ihre führende Köpfe betrachtet.

Freitag, 11.09.2020, 20:21 Uhr aktualisiert: 11.09.2020, 22:17 Uhr
Symbolbild. Foto: dpa
Symbolbild. Foto: dpa

Dabei hat Landesvater Laschet, der sich um den CDU-Vorsitz bewirbt und Kanzlerkandidat der Union werden will, kaum mehr zu gewinnen als Rückenwind. Denn Kommunalwahlen sind zuerst Personenwahlen , in de­nen über die Verhältnisse vor Ort entschieden wird. Und da rücken Parteipräferenzen und die ganz großen politischen Linien schnell in den Hintergrund. So muss auch vor weitreichenden Rückschlüssen aus den sonntäglichen Ergebnissen auf die Landes- oder gar die Bundesebene gewarnt werden. Trends mögen sich erkennen lassen, alles andere aber führt ins Feld der Kaffeesatzleserei.

Doch selbst Trends können schmerzen, so dass auch die SPD gebannt auf den Wahlsonntag blickt. Immer noch gilt NRW als „Herzkammer der Sozialdemokratie“. Und allzu viele schlechte Ergebnisse dürfte die eh schon lange ziemlich aus dem Takt geratene SPD-Pumpe nicht mehr verkraften. Erst recht, da es der aus Nordrhein-Westfalen stammende Vorsitzende Norbert Walter-Borjans und die Co-Parteichefin Saskia Esken mit großer Sorge sehen dürften, dass ihr Kanzlerkandidat Olaf Scholz durch Cum-Ex-Skandal und Wirecard-Affäre so früh bereits in beängstigend schwere See geraten ist.

Der Zeitgeist leuchtet grün

Ganz anders ist dagegen die Gemüts­lage bei den Grünen, die der große Gewinner werden könnten. Keine Frage: Der Zeitgeist leuchtet grün, und gerade in der Altersgruppe der bei Kommunalwahlen in NRW auch schon wahlberechtigten 16- bis 18-Jährigen dürfte die Öko-Partei sehr viele Anhänger haben. Gelänge dann noch der prestigeträchtige Sieg in ein oder zwei Großstädten wie Aachen und Wuppertal, wäre der Triumph perfekt.

Vielerorts wird der große Jubel aber vorerst ausbleiben, denn zahlreiche Oberbürgermeister-, Bürgermeister- und Landratsstühle dürften endgültig erst in der Stichwahl in 14 Tagen vergeben werden. Das gilt wohl auch für die ostwestfälischen Städte Höxter, Paderborn, Lübbecke, Bad Oeynhausen, Herford, Gütersloh und Bielefeld. Die Wahl wird dadurch jedoch kein bisschen unwichtiger. Denn abgestimmt wird ja auch über die Räte und damit über die Politik vor der eigenen Haustür – und das sollte uns alle brennend interessieren. Also: Gehen Sie am Sonntag hin – gehen Sie wählen! Und lesen Sie dann ab 18 Uhr bei uns, wie es ausgegangen ist.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7579132?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198306%2F2269031%2F
Auch NRW-Regionen als Standort für Atommüll-Endlager geeignet
Symbolfoto. Foto: dpa
Nachrichten-Ticker