Kommentar zum Bundesverdienstkreuz für Christian Drosten
Der Staatsvirologe

Es gibt Preise, die man besser nicht bekommt oder gar nicht erst annimmt. Wie der damalige US-Präsident Barrack Obama den Friedensnobelpreis relativ zu Beginn seiner Amtszeit. Hätte der Nachfolger von George W. Bush diese wohl renommierteste aller Auszeichnung ablehnen sollen, weil er zu dem Zeitpunkt schon hätte ahnen können, dass er als Oberbefehlshaber den Drohnenkrieg erfinden und nicht als Friedensfürst regieren würde?

Dienstag, 22.09.2020, 20:19 Uhr aktualisiert: 22.09.2020, 20:28 Uhr
Hamburg: Virologe Christian Drosten kommt Mitte September mit Mund-Nasen-Schutz zum 11. Deutschen Radiopreis. Foto: Christian Charisius/dpa
Hamburg: Virologe Christian Drosten kommt Mitte September mit Mund-Nasen-Schutz zum 11. Deutschen Radiopreis. Foto: Christian Charisius/dpa

Nun spielt das Bundesverdienstkreuz einige Ligen unter dem Friedensnobelpreis. Gleichwohl ist auch die Entscheidung, Christian Drosten auszuzeichnen, ebenso politisch. Denn der Virologe hat die Bundesregierung im Umgang mit der Corona-Pandemie nicht nur beraten , sondern die teilweise umstrittenen Maßnahmen, zu denen er maßgeblich selbst beigetragen hat, wissenschaftlich gerechtfertigt.

Mit dem Bundesverdienstkreuz bedankt sich der Staat bei Drosten – und stellt ihn über andere Virologen. Wenn die Politik die Wissenschaft vereinnahmt, ist Vorsicht geboten. Jedenfalls sollte man in der Düsseldorfer Staatskanzlei nicht auf die Idee kommen, dem Virologen Hendrik Streeck einen NRW-Orden ans Revers heften zu wollen. Darauf kann er gewiss verzichten.

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