Kommentar zum Schulgipfel
Lauter alte Hüte

Es gehört schon Chuzpe dazu, als Kultusministerin oder Kultusminister nach dem Schulgipfel am Montagabend im Kanzleramt von einem Erfolg zu sprechen. Denn die wenigen neuen Beschlüsse, die dort gefasst wurden, wirken wie ein Armutszeugnis für die bisherige Bildungspolitik der Länder. Und die vielen wiederholten, alten Beschlüs- se von Kanzlerin, Bundesbildungsministerin, SPD-Chefin und den Ländern zeigen nur, dass sie bislang nicht umgesetzt wurden. Und zwar seit Jahren nicht.

Mittwoch, 23.09.2020, 10:25 Uhr aktualisiert: 23.09.2020, 10:45 Uhr
Symbolbild. Foto: dpa
Symbolbild. Foto: dpa

Wer einen Blick auf die sieben Ergebnisse wirft, wird unweigerlich erschrecken. Ers- tens: Dass das Land sechs Monate in einer Pandemie überstehen muss, bis die Kul- tusministerkonferenz sich auf den Weg für einen „einheitlichen Rahmen für die schuli- schen Infektionsschutzmaßnahmen“ macht, ist peinlich langsam. Zweitens beschloss die Runde einen „zügigen weiteren Ausbau der Glasfaser-Internetanbindung“, was le- diglich ein Aufguss eines lan-ge bestehenden Vorhabens ist. Drittens und viertens tauchen die 500 Millionen Euro für Laptops und für die Ausbildung von Systemadministratoren auf der Liste auf, für die es trotz früherer Absichts- erklärungen auch heute noch keine Verwaltungsvereinbarung gibt.

„Entwicklung intelligenter tutorieller Systeme“

Fünftens und sechstens führen die Gipfelteilnehmer zwei Vorhaben als Ergebnisse an, die Union und SPD bereits vor drei Jahren in ihren Koalitionsvertrag geschrieben hatten: digitale Kompetenz­zentren und die „Entwicklung intelligenter tutorieller Systeme“, wie es nun auch in den Beschlüssen von Montag heißt. Und das siebte Ergebnis spiegelt schließlich das Versagen der Länder in der Entwicklung digitaler Lernplattformen wider. So soll der Bund schrittweise eine Bildungsplattform entwickeln, um bestehende Systeme, also Plattformen, der Länder zu vernetzen.

Gegen eine zen­trale Bundesplattform hatten sich die Länder sehr lange mit aller Kraft gewehrt. Der heutige Wildwuchs solcher Plattformen, von denen nur die wenigsten funktionieren, die aber bei Corona-Schulschließungen sehr wertvoll wären, wird kaum in einem bundesweiten Programm zusammenzubringen sein.

Insgesamt dürfte von dem Gipfel also wenig Strahlkraft ausgehen, auch wenn bis Jah- resende Lehrerinnen und Lehrer Dienst-Laptops bekommen sollen und Schülerinnen und Schüler sich Laptops von der Schule leihen können. Eigentlich sollte so etwas aber längst selbstverständlich sein in der Bildungsrepublik Deutschland, die Angela Mer- kel bereits vor zwölf Jahren als Kanzlerin ausgerufen hat- te. Zumal von den fünf Mil- liarden Euro aus dem Digital- pakt bislang nur wenige Millionen abgeflossen sind.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7597780?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198306%2F2269031%2F
Anklage fordert zehn Jahre Haft
Seit Dezember müssen sich Ismet A. (32, vorne) und sein Bruder Ferhan (34) vor der 1. Großen Strafkammer des Landgerichts Bielefeld verantworten. Die Staatsanwaltschaft will sie für zehn beziehungsweise neuneinhalb Jahre hinter Gittern sehen. Foto: David Inderlied
Nachrichten-Ticker