Kommentar zu Trumps Corona-Infektion
Bittere Ironie und traurige Wahrheiten

Die Nachricht aus dem Weißen Haus lässt die Welt aufhorchen – und erschaudern. Donald Trump und seine Frau Melania sind Corona-positiv – das überstrahlt Meldungen über andere Politiker, die dies bislang betraf.

Freitag, 02.10.2020, 20:49 Uhr aktualisiert: 02.10.2020, 20:58 Uhr
Indien, Mumbai: Ein Künstler der Kunstschule malt Plakate mit Genesungswünschen für US-Präsident Donald Trump und First Lady Melania. Foto: Rajanish Kakade/AP/dpa
Indien, Mumbai: Ein Künstler der Kunstschule malt Plakate mit Genesungswünschen für US-Präsident Donald Trump und First Lady Melania. Foto: Rajanish Kakade/AP/dpa

Man sollte ihm zuallererst gute Besserung wünschen – und nicht mit Spott reagieren. „When they go low, we go high“, empfahl Michelle Obama. Auch wenn der politische Gegner – also Trump – unter der Gürtellinie agiert, sollte man selbst umso würdevoller reagieren und sich damit von seinem Stil absetzen, meinte sie damit. Das gilt gerade jetzt.

Was passiert nun?

Doch wenn der Anführer der westlichen Welt infiziert ist, stellen sich große Sicherheitsfragen. Der Wahlkampf ist zudem kaum noch möglich. Auch wenn der Apparat in Washington Regeln für diesen Fall hat: Was passiert mit einem Präsidenten, der sich weigert, Regeln einzuhalten? Was passiert, wenn er und sein Umfeld zum großen Teil in Quarantäne müssen? Gehen sie – oder stecken sie munter weitere Teile der Regierung an? Hat Trump noch Personen getroffen, obwohl er von seinem Kontakt mit einer Corona-Infizierten wusste?

Über allem steht der größte Unsicherheitsfaktor: Was kann man von den Nachrichten aus dem Weißen Haus glauben – nach dem lockeren Umgang mit Fakten, den sich Trump tagein, tagaus leistet?

Unsicherheit in vielerlei Hinsicht

In ihrem Welthit „Ironic“ listet Alanis Morissette Beispiele bitterer Ironie auf. Hier ein paar weitere: Ein Präsident, der die Wissenschaft ablehnt, wird von der Erkenntnis eingeholt, dass auch er sich ihren Wahrheiten nicht verweigern kann. Ein 74-Jähriger, der sich vor laufenden Kameras über das Maskentragen seines noch älteren Konkurrenten lustig macht, muss nur zwei Tage später aus gutem Grund darüber nachdenken, ob Joe Biden nicht richtig lag mit seiner Vorsicht – die Biden selbst hoffentlich vor einer Ansteckung bei Trump geschützt hat.

Eine besonders bittere Ironie wäre es, wenn der genesene Trump, der beim Corona-Management versagte, in der Endphase des Wahlkampfs von seiner eigenen Infektion profitierte. Auch das ist nicht ausgeschlossen.

Wahr ist: Das Thema Corona, das er wegdrücken wollte, rückt in den Mittelpunkt. Und die Unsicherheit, die er zum großen Teil selbst verursacht hat, ist Gift für die USA und die Welt – mit allen Risiken und Nebenwirkungen.

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