Kommentar zum neuen Rentenatlas
Nackte Zahlen statt Antworten

Auf Rentenpolitiker und Versicherungsmathematiker mögen diese Statistiken ihren Reiz ausüben; für den Beitragszahler oder den Rentenempfänger spiegeln sie allenfalls die Lebensrealität wider und überraschen nicht. Warum steigt die Rentenbezugsdauer, also die Zeit zwischen dem Ausstieg aus dem Erwerbsleben und dem individuellen Ableben? Weil die Lebenserwartung steigt. Für die Männer und für die Frauen. Alles sehr plausibel.

Dienstag, 06.10.2020, 09:58 Uhr aktualisiert: 06.10.2020, 10:00 Uhr
Die Menschen in Deutschland beziehen immer länger Rente, zugleich sind sie in den vergangenen Jahren immer später in Rente gegangen. Foto: dpa
Die Menschen in Deutschland beziehen immer länger Rente, zugleich sind sie in den vergangenen Jahren immer später in Rente gegangen. Foto: dpa

Dass die Rentenreformen der zurückliegenden Jahre ihre Wirkung zeitigen, belegt eine andere Seite der Rentenstatistik: Die Menschen gehen zunehmend später in Rente, was sich allerdings in eher kleineren Schritten vollzieht. Weil die Menschen länger leben, also länger Rentner sind, muss die Renten­versicherung das Finanzpolster aufbauen, diese Leistung auch länger erbringen zu können. Das geschieht, indem die Arbeitnehmer länger arbeiten, ­also für eine längere Zeit auch Beiträge entrichten.

Politik am Zuge

So weit die Selbstverständlichkeiten aus dem neuen Rentenatlas . Die drängenden Fragen nach Notwendigkeit und Ausmaß der Reformen in den gesetzlichen Sozialversicherungen werden in dem Bericht der Versicherer natürlich nicht beantwortet. Da ist die Politik am Zuge, die sich seit Jahrzehnten um Antworten darauf bemüht, wie diese Sozialsysteme den demografischen Wandel beherrschbar machen können.

Zum einen geht es darum, wie in der Rente die immer weiter sinkende Zahl von Beitrags­leistenden die Finanzierung der wachsenden Rentnergeneration gewährleisten kann, zum anderen geht es darum, wie die gesetzliche Krankenversicherung ein Gesundheitssystem mit ei­ner immer weiter wachsenden Zahl von Fällen als Folge der Überalterung der Gesellschaft zu bezahlbaren Kosten aufrechterhalten kann.

Ergebnis mehr als dürftig

Ganz zu schweigen vom medizinischen Fortschritt, der neue Ausgaben verursacht. Das Ziel der Bundesregierung, den Beitragssatz für diese Sozialversicherungen in Summe dauerhaft bei 40 Prozent zu deckeln, dürfte nicht aufgehen. Durchaus belastbare Prognosen gehen nämlich von einem Anstieg auf bis zu 49 Prozent in den kommenden 20 Jahren aus; eine Belastung für den Wirtschaftsstandort Deutschland.

Mit Blick auf die zukünftige Ausgestaltung der gesetzlichen Rentenversicherung ist das Ergebnis der eigens dafür eingesetzten Rentenkommission als mehr als dürftig, ja letztlich ist es sogar als ­enttäuschend einzustufen. Wahrlich kein großer Wurf.

Spätestens nach der Bundestagswahl rücken diese Probleme auf den Kabinettstisch einer neuen Regierung.

Kommentare

nocebo  schrieb: 07.10.2020 10:00
Statistiken sind so unbrauchbar, da sie nicht differenzieren
Die Zahlen die ich jetzt nenne, sind vielleicht nicht alle zu hundert Prozent genau, aber die Größenordnungen stimmen.

Von den vielleicht 20.000.000 Altersrentnern bekommen 10.000.000 unter 1000 Euro.

Die Durchschnittsrente bewegt sich bei 1200 Euro.

Die absolute Höchstrente liegt bei um 3000 Euro monatlich.

Eine Mindestrente gibt es m.E. nicht, höchstens Grundsicherung im Alter von vielleicht (mit Miete und KV) 900 Euro.

0,1 % aller Altersrentner bekommen über 2000 Euro im Monat!

Die Mindestpension betraegt 1700 Euro. Die Durchschnittspension fast 3000 Euro.

Jeder Beamte kostet dem Steuerzahler im Ruhestand bis zum Tod 851.000 Euro.

Eine Statistik über Rentenbezugsdauer und Lebenserwartung ist wertlos, solange sie nicht differenziert, welche Schichten (arm oder wohlhabender) welche Lebenserwartungen haben und, ob es Beamte sind oder Rentner.

Das angeblich gerechte Aequivalenzprinzip in der Gesetzlichen Rentenversicherung (wer viel lange „einzahlt“ bekommt auch eine hohe Rente und umgekehrt) ist in wirklichkeit höchst ungerecht und eine Umverteilung von unten nach oben, da die, die wenig verdienen oft auch früher sterben.
D.h. die bekommen wenig kurz und bekommen dadurch oft weniger raus, als sie „eingezahlt“ haben. Die die viel eingezahlt haben hingegen leben oft länger und bekommen dadurch oft auch mehr raus, als sie „eingezahlt“ haben.

Wieso leisten die Arbeitgeber auch noch bei denen einen höheren Arbeitgeberanteil, die sowieso schon mehr bezahlen? Oder Anders, warum nimmt man nicht alle Arbeitgeberanteile zusammen und macht daraus eine Grundrente unabhaengig der Erwerbsbiografie in Höhe von 750 Euro.

Wieso entscheidet ein Gremium über Rente und Pensionen, das fast ausschliesslich aus spaeteren Pensionaeren besteht?

Wieso legt man nicht Rente und Pensionen zusammen und läßt auch Beamte Beitraege zahlen?

Wieso wird nicht ein Gremium aus Menschen gebiltet, die die Verteilung von Rentnern und Pensionaeren wiederspiegelt und dann über die Rente entscheidet?

Warum nimmt man sich nicht ein Vorbild an dem öesterreichischen (Zusamnenlegung Rente und Pensionen) und dem holländischen (mit Grundrente) Rentenmodell bzw. warum macht man sich nicht deren gute Ideen zu eigen?

Tja, in Wahrheit geschieht nichts.

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KV:

Minijobs sind angeblich eingeführt worden, um Langzeitarbeitslose wieder in Lohn und Brot zu bringen.

Das ist einfach falsch!

Für Langzeitarbeitslose sind nur voll sozialversicherungspflichtige Jobs wie Midijobs interessant.

Minijobs sind nur für schon anderweitig Versicherte (z.B. Familienmitversicherung oder ein Hauptjob) interessant.

Warum aber soll jemand, der ein eigenes Einkommen hat, denn erst ab 450,01 Euro voll sozialversicherungspflichtig sein, zumal der Gesamtbetrag (RV, KV, PV, AV) von Arbeitgeber und Arbeitnehmer bei einem solchen Midijob mit in diesem Fall 450,01 Euro niedriger ist, als bei einem Arbeitslosen ohne Leistungsbezug (d.h. kein Einkommen) nur Krankenversicherung und Pflegeversicherung. Absurd!

Noch absurder:

Verdient jemand nur mit einem Job genausoviel brutto wie jemand mit Haupt- und Minijob, so zahlt Letzterer weniger Abgaben.

Absurdistan.






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