Kommentar zur Corona-Ansage der Kanzlerin
Die zweite Welle ist da

Viel wurde über die zweite Corona-Welle spekuliert: Kommt sie oder kommt sie nicht? Spätesten seit Mitte dieser Woche ist sie nun da. Die Zahl der Infizierten in Deutschland liegt deutlich über 4000 pro Tag, die Intensivstationen in den Großstädten füllen sich. Die Politik, insbesondere die Krisenkanzlerin, ist nun gefordert. Es braucht schnelle Konzepte, um einerseits die Bevölkerung zu schützen und andererseits einen erneuten kompletten Lockdown auszuschließen.

Samstag, 10.10.2020, 10:12 Uhr aktualisiert: 10.10.2020, 10:16 Uhr
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Foto: dpa
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Foto: dpa

Angela Merkel stellte in der vergangenen Woche ein Szenario vor, das es in sich hatte. Deutschland drohten bis Weihnachten 19.200 Neuinfektionen, hatte sie vorgerechnet – und dabei eine regelmäßige Verdopplung der Infizierten-Zahlen angenommen. Manch einer schalt sie dafür als Kassandra. Nun liegen die Infektionen der letzten Tage sogar über dem Szenario – ein Warnsignal.

Zu gut eingerichtet

Es ist gut und richtig, wenn die Bundeskanzlerin das Gespräch mit den Oberbürgermeistern sucht. Es braucht allgemein gültige Lösungen für die Metropolen – und auch klare Sanktionen . Und ein scharfes Nachdenken über Beherbergungsverbote: Wenn Familien und Schüler in den Herbstferien alle daheimbleiben, könnte sich das Risiko in den bevölkerungsreichen Städten sogar verschlimmern.

Die Verantwortlichen in Bund, Ländern und Kommunen müssen sich den Vorwurf gefallen lassen, dass man sich in der Pandemie zu gut eingerichtet hatte. Es war ein Super-Sorglos-Sommer, Erleichterung war das vorherrschende Gefühl.

Nur wenige Hausaufgaben gemacht

Doch Hausaufgaben wurde vonseiten der Politik nur wenige gemacht. Lüftungskonzepte für Schulen, öffentliche Einrichtungen und Gaststätten blieben aus, es entspann sich lediglich eine Diskussion über Heizpilze. Warum waren die Maskenregeln lange Zeit so uneinheitlich? Gab es verstärkte Anstrengungen für mehr Pflegekräfte in den Kliniken, für Helfer in sozialen Einrichtungen? Die Debatte wurde mit der Auszahlung von Einmal-Prämien abrupt beendet.

Nach wie vor tragen die Menschen die Einschränkungen des Lebens im Kampf gegen die Pandemie mit. Nur zwölf Prozent empfinden die geltenden staatlichen Schutzmaßnahmen als übertrieben. 64 Prozent halten sie für richtig, 23 Prozent sind sogar für schärfere Regeln. Es ist ein Pfund, das die Kanzlerin nun schnell nutzen sollte. Merkel richtet sich zu Beginn der Pandemie via Fernsehansprache an die Bürger, um sie auf die Pandemie einzuschwören. Es ist der richtige Zeitpunkt, es wieder zu tun.

Kommentare

Paul Schneider  schrieb: 10.10.2020 11:42
Die zweite Welle
Diejenigen, die noch bei der Berlin-Demo der Meinung waren, Corvid-19 wäre eine harmlose Erkrankung, werden jetzt eines Besseren belehrt. Es mag sein, dass ein positiver PCR-Test nicht mit einer Infektion gleichzusetzen ist. Fakt ist doch, dass eine Infektion wahrscheinlich ist, oder nicht ob eine Testperson auch erkrankt ist und erkranken wird. Eines wurde in den letzten Tagen deutlich, Massenversammlungen auf engen Raum bewirken eine Verbreitung des Virus. Das sagt schon das Inzidenzniveau aus. Die Wette gegen die Zukunft scheinen die vermeindlichen Pandemie-Hysteriker und Alarmisten der Politik offensichtlich zu gwinnen. Es wird nun deutlich, dass eine Eskalation des Meinungsklimas beendet werden muss. Und wenn die Corona-Fälle der stationären Behandlung bedürfen, und tatsächlich 4 Prozent daran sterben, dann haben wir ein neuen Skandal um das mögliche Versagen des Staates. Wenn es dann noch zu einem 2. Lockdown kommt, der unweigerlich zum schlimmsten Wirtschaftsabsturz der Neuzeit führt, dann werden sich viele fragen, warum es soweit kommen musste.
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