Pro und Contra zu längeren Weihnachtsferien
Mehr Fernunterricht statt Ferien-Vorstoß?

Mit ihrem Vorschlag, die Weihnachts- und Winterferien wegen der Corona-Pandemie zu verlängern und stattdessen die Sommerferien zu verkürzen, haben zwei Bundestagsabgeordnete der Union am Dienstag eine lebhafte Diskussion ausgelöst. Eine Pro- und Contra-Kommentar:

Dienstag, 13.10.2020, 20:38 Uhr aktualisiert: 13.10.2020, 20:50 Uhr
Die Unions-Politiker schlagen vor, die Ferien im Winter zu verlängern. Im Gegenzug müssten die Sommerferien verkürzt werden. Foto: dpa
Die Unions-Politiker schlagen vor, die Ferien im Winter zu verlängern. Im Gegenzug müssten die Sommerferien verkürzt werden. Foto: dpa

Pro längere Weihnachtsferien: Die bessere Alternative

Längere Weihnachts- und dafür kürzere Sommerferien – dieser Vorschlag klingt abenteuerlich und hat seine Schwächen. Ohne Frage. Er erfordert einen beträchtlichen Organisations- aufwand von Schulen, Eltern und Lehrern.

In Anbetracht der Alternativen sollte allerdings jeder kreative Ansatz wohlwollend geprüft und nicht reflexartig abgelehnt werden. Erst recht, wenn er gleichzeitig dazu beiträgt, das Infektions- geschehen einzudämmen und Unterrichtsausfall zu minimieren. Geht alles seinen gewohnten Gang, wird der Winter für Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte hart. Jedes Husten und jeder Schnupfen wird zu Fehlzeiten führen.

Ein jahreszeitbedingter deutlicher Anstieg positiver Coronatests legt immer wieder einzelne Schulklassen oder sogar ganze Schulen lahm. Das ständige Querlüften von Klassenzimmern stellt nicht nur die notorischen Frostbeulen auf die Probe, sondern trägt zu einer deutlichen Zunahme an Atemwegsinfekten bei. Eltern müssten dadurch immer wieder sehr kurzfristig zu Hause bleiben, um ihre Kinder zu betreuen.

Selbst wenn im Sommer noch kein Impfstoff zur Verfügung stehen sollte, ist die Situation bei milderen Temperaturen deutlich besser zu händeln. Letztlich gilt es abzuwägen – und die Gesundheit sollte an erster Stelle stehen. Mirko Heuping

Contra längere Weihnachtsferien: Lediglich gut gebrüllt

Längere Weihnachtsferien als Baustein, damit aus dem Corona-Vormarsch kein Durchmarsch wird: Der Vorstoß klingt vielleicht gut, hat aber letztlich nichts auf den Hacken. Folglich folgte das Nein prompt – und zu Recht.

Nach den Sommerferien haben die Schulen in Deutschland von Distanz auf Präsenz umgeschaltet. Und es funktioniert, auch wenn’s hier hapert und da knirscht und hier und da einzelne Schüler, Lehrer, ganze Klassen und manchmal leider auch ganze Schulen aus dem Lernbetrieb aussteigen, weil das Virus dazwischenfunkt. Mit Blick auf die Pandemie bringt es also wenig bis nichts, die Ferien zu verlängern.

Vielmehr überwiegen die Nachteile. Zwei gravierende: Berufstätige Eltern, die nicht wissen, wie und wo sie ihre Sprösslinge unterbringen können – und aus der Not heraus im Januar ihren Jahresurlaub nehmen müssen. Gleichzeitig ein maßloses Gedränge in den verkürzten Sommerferien 2021 – sofern das Virus dann Urlaub wieder zulässt.

Eine echte Corona-Schutz-Alternative zum Ferienvorstoß wäre mehr Fernunterricht. Dazu aber sind zu viele Schulen noch immer digitale Brachen. Technik fehlt, vielfach sicherlich auch Kompetenz und Bereitschaft der Lehrenden, Kreide und Tafel gegen iPad und Apple Pencil einzutauschen. Dieser Dreiklang ist jedoch zwingende Voraussetzung, um über Präsenz-Alternativen nachzudenken. Elmar Ries

Kommentare

Paul Schneider  schrieb: 14.10.2020 08:42
Fernunterricht
Die Gestaltung des Fernunterrichts ist eine Ländersache. Und daran scheitert das Prinzip, dass Unterricht von überall nach überall möglich ist. Jetzt ergibt sich doch die Möglichkeit, auf die unterschiedlichen Gegebenheiten zu reagieren und eine Konsens zu schaffen. Es ist doch eine einmalige Chance für die Zukunft, einen durchgängigen Unterricht zu gewähren, wenn es zu weiteren Schulschliessungen kommt und Lerngruppen verkleinert werden sollen. Was gibt es denn für ein Problem, eine "@-Home-Ausrichtung" zu ermöglichen. Seit vielen Jahren praktizieren meine Kollegen und ich national und international Video-Vorlesungen. Warum soll das nicht bei Kindern und Jugendlichen klappen? Ist man denn nicht in den Schulen in der Lage, z. B. Video-Meetings am Morgen zu organisieren? Was ist denn mit der Lernplattform "LEARNscpae" oder "Threema-Work"? Was ist denn mit dem Messengerdienst, der den Kontakt zwischen Lehrer/innen und Schüler/innen sicherstellt? Oder fehlt es bei den Lehrkräften bei der pädagogische Arbeit an der Fähigkeit, ein personelles Coaching zu ermöglichen? Ich habe jedensfallsdie Erfahrung gemacht, dass auch digitale Gemeinschaftserlebnisse die Aus-, Fort- und Weiterbildung günstig beeinflussen.
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