Kommentar zur Konjunkturentwicklung
Das Gift der Ungewissheit

Tourismus, Gastronomie, die Veranstaltungsbranche und auch der Export liegen danieder. Damit sind nur die Wirtschaftszweige genannt, die zu den größten Pandemieverlierern zählen.

Donnerstag, 15.10.2020, 04:00 Uhr
Symbolbild. Foto: Tom Weller/dpa
Symbolbild. Foto: Tom Weller/dpa

Doch nicht nur der reale Umsatzeinbruch zahlreicher Unternehmen lähmt die Konjunktur: Das Coronavirus versprüht in der Wirtschaft ein Gift der Unsicherheit: Wie entwickeln sich die Infektions- und Todesraten? Ist im Winter auch in Deutschland ein weiterer Lockdown unvermeidlich? Solche Fragen beschäftigen derzeit Investoren und Konsumenten. Eine Wirtschaftserholung fördert eine solche Stimmung nicht.

Zu Recht kritisieren die Wirtschaftsforscher in ihrem Herbstgutachten die Milliardenverschwendung von Steuergeld durch die vorübergehende Mehrwertsteuersenkung von 19 auf 16 Prozent. Die verpuffte weitgehend. Nachfrageimpulse wurden durch dieses Instrument nur sehr kurzfristig ausgelöst.

Besser fällt das Urteil bei den direkten Unternehmenshilfen des Staates aus. Die Ökonomen loben aus gutem Grund die Pläne des Wirtschaftsministers, die Überbrückungshilfen für betroffene Unternehmen zu verlängern, sie unbürokratischer zu gestalten und den besonders von der Krise gebeutelten Branchen noch stärker unter die Arme zu greifen. Es wundert kaum, dass der sorgenvolle Blick der Ökonomen auf die enorm gewachsene Staatsverschuldung fällt. Sollten Besserverdiener, wie von den Instituten vermutet, letztlich zur Kasse gebeten werden, droht der Staat damit zum Teil erfolgreich gesetzte Konjunkturimpulse wieder auszubremsen.

In zwei Bereichen können politische Rahmenbedingungen besonders stark auf die Wirtschaftsentwicklung einwirken: Das gilt für die Zahl der Arbeitslosen und die Exportchancen der Industrie. Mit allen Mitteln – vor allem dem weiteren Einsatz von Kurzarbeit – muss ein starker Anstieg der Erwerbslosigkeit verhindert werden. Der hätte letztlich eine Konsumschwäche zur Folge, die dem deutschen Einzelhandel eine neue Talfahrt bescheren könnte – mit entsprechenden Auswirkungen auf die Gesamtwirtschaft.

Die Ausfuhren der Industrie können vor allem dadurch gefördert werden, dass Exportschranken auf wichtigen Märkten verhindert werden. Der Brexit und das angespannte Verhältnis zu den USA trüben die ohnehin durch das coronabedingte Schrumpfen der Weltwirtschaft belasteten Aussichten der deutschen Exporteure.

Kommentare

Paul Schneider  schrieb: 15.10.2020 08:16
Ungewissheit
Fakt ist, dass sich die Unternehmen und die Konsumenten in einem Blindflug befinden, weil m. E. der "Preiskompass" total fehlt. Wir werden in den kommenden Monaten ungeheuere realwirtschaftliche Verwerfungen und Inflationsprozesse erleben. Es wird zu Masseninsolvenzen kommen. Begünstigt durch die Pandemie, werden wir eine Jahrhundertrezession erleben, die zu dem schlimmsten Wirtschaftsabsturz der Neuzeit führen wird. Aus diesem Grunde muss die Konjunkturprognose in Frage gestellt werden, die übrigens bisher noch nie gestimmt hat. Die deutsche Wirtschaft hat im 2. Quartal eine Schrumpfung von 11.7 % hinnehmen müssen. Gleichzeitig pumpte und pumpt Deutschland mehr schuldenfinanziertes Staatsgeld in die Wirtschaft. Damit verpfänden die Politiker/innen die volkswirtschaftliche Leistung zukünftiger Generationen. Diese Entwicklung bezeichne ich als "Sackgassenpolitik". Diese Politik ist m. E. vollkommen unhaltbar und führt direkt in ein ökonomisches Desaster.
1 Kommentare
Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7632506?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198306%2F2269031%2F
Geheimdienste sollen WhatsApp & Co. mitlesen dürfen
Die WhatsApp-Plattform wird von mehr als zwei Milliarden Menschen weltweit genutzt.
Nachrichten-Ticker