Kommentar: Flüchtlinge stranden auf den Kanaren
Ein zweites Lesbos?

Wird Gran Canaria zum zweiten Lesbos? Es überrascht nicht, dass die Kanaren wie 2006 zum „Hotspot“ für Flüchtlinge aus Afrika werden.

Freitag, 13.11.2020, 02:01 Uhr aktualisiert: 13.11.2020, 02:10 Uhr
Symbolbild.
Symbolbild. Foto: dpa

Dies spiegelt eine Ausweichreaktion der Migranten auf das Bestreben der EU, die Mittelmeerroute durch vielerlei Maßnahmen zu schließen. Problem bleibt dabei das bürgerkriegsgeschüttelte Libyen, das wenig als zuverlässiger Partner der EU taugt.

Um die Flüchtlinge zu stoppen, hat die EU auch mit Transitländern wie dem Niger Abkommen geschlossen. Diese sollen sie auf ihrem langen Weg durch Afrika ans Mittelmeer nicht mehr passieren lassen. Der Deal: Geschlossene Grenzen, dafür fließt Geld der EU. Ein Ausgleich für das bislang einträgliche Geschäft der Länder mit den Migranten. Man konnte sie auf der Durchreise ausbeuten, illegal beschäftigen, misshandeln – und weiterschicken. Viele afrikanische Länder haben ihre Grenzen auch aus Sorge vor Corona geschlossen.

Der „Erfolg“ der EU führt zu neuen humanitären Rückschritten. Denn Flüchtlinge wählen nun weitaus gefährlichere Routen. Teils allein durch die Sahara – oder aber in Holzbooten über die raue Atlantikroute auf die Kanaren. Die Aussicht, illegal im Tourismus zu arbeiten – immer mit dem Fernziel spanisches Festland – lässt sie alle Risiken vergessen.

Trotzdem hat die EU bislang nur zugeschaut, wie Tausende Menschen auf den Inseln stranden. Das sind zwar nur wenige angesichts der Millionen Binnenflüchtlinge in Afrika – doch sie sorgen auf Teneriffa & Co für eine maßlose Überforderung. Die Ankömmlinge müssen untergebracht, Gesundheitsstandards eingehalten werden. Bilder von Randale und Feuer in Flüchtlingslagern wie in Griechenland – sie könnten Touristen verschrecken, die auch vor den Toren Afrikas ein ungetrübtes Urlaubsidyll erwarten. Auch die Unterbringung von Migranten in leeren Hotels sorgt nur für politischen Zündstoff statt für Ruhe.

Fest steht: Die Inseln brauchen dringend Hilfe der EU. Es ist überfällig, dass ihre Innenminister sich jetzt der Sache annehmen. Die EU-Kommission hat versprochen, Erstankunftsländer nicht mehr allein zu lassen. Die einheitliche Asylpolitik lässt aber auf sich warten. Besonders einige osteuropäische Länder, die selbst viel Zuwendung der EU erwarten, haben ihre Lektion in Sachen Solidarität nicht gelernt.

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