Kommentar zu Franziska Giffeys Verzicht auf den Doktortitel
Verzweiflungsaktion

Sie gehört zu den Aufsteigerinnen in der SPD in den vergangenen Jahren: Familienministerin Franziska Giffey ist eine Stütze der großen Koalition und Hoffnungsträgerin ihrer Partei. Doch die Plagiatsaffäre schwebt wie ein Damoklesschwert über ihr. Dass sie jetzt auf den Doktortitel verzichtet, verschafft der Sozialdemokratin nur etwas Luft – gut zwei Wochen vor der Wahl der Berliner SPD-Vorsitzenden. Letztlich entscheidet aber zu Recht die Freie Universität Berlin nicht nur über die Verleihung, sondern auch über den Entzug des Doktortitels.

Sonntag, 15.11.2020, 21:00 Uhr
Familienministerin Franziska Giffey (SPD).
Familienministerin Franziska Giffey (SPD). Foto: imago images/IPON

„Was mich als Mensch ausmacht, liegt nicht in diesem akademischen Grad begründet“, hat Gifffey zwar treffend festgestellt. Eine Promotion allein sagt auch nichts über die Eignung für ein hohes politisches Amt aus. Aber hier geht es nur darum, ob Giffey den Titel unrechtmäßig erworben hat. Als Ministerin und mögliche künftige Regierende Bürgermeisterin von Berlin hat sie eine Vorbildfunktion – und muss glaubwürdig sein.

Giffey selbst war es, die im vergangenen Jahr ankündigte, sie würde als Ministerin zurücktreten, sollte ihr der Doktortitel aberkannt werden. Auch die SPD, die sich in Nibelungentreue hinter Giffey versammelt, darf nicht mit zweierlei Maß messen. Schließlich waren die Rücktrittsrufe der Sozialdemokraten in der Plagiatsaffäre um den damaligen CSU-Minister Karl-Theodor zu Guttenberg besonders laut. Jetzt sollte die SPD bei Giffey im Falle des Entzuges des Doktortitels gleiche Maßstäbe ansetzen.

Der Schlingerkurs um die Promotion ist auch für den Wissenschaftsbetrieb kein Ruhmesblatt. Schließlich prüfte die Freie Universität Berlin monatelang, um dann eine Rüge für Giffey auszusprechen. Doch aufgrund von Formfehlern wird das Prüfverfahren nun neu aufgerollt. Mit einem Ergebnis wird erst in einigen Monaten gerechnet.

Die Hängepartie ist zum einen Gift für die Ambitionen der Berliner SPD, bei den Abgeordnetenhauswahlen im Herbst 2021 zu triumphieren. Zum anderen ist sie eine Bürde für Giffey. Sie galt für viele Sozialdemokraten sogar als ideale Bundesvorsitzende. Wegen der Plagiatsvorwürfe kandidierte sie damals aber nicht.

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