Kommentar zur analogen Schule: Problemkind in der Krise
Digi... was?

So

llen die Schulen in der Corona-Pandemie weiterhin offen bleiben, ist Hybridunterricht angesichts steigender Infektionszahlen das Mittel der Wahl oder eher das konsequente Umswitchen ins Digitale? Diese Frage spaltet nicht nur die Elternschaft, sie spaltet auch Lehrer und

Mittwoch, 18.11.2020, 07:28 Uhr aktualisiert: 18.11.2020, 08:08 Uhr
Symbolbild
Symbolbild Foto: Matthias Balk/dpa

Inzwischen steigen auch an den NRW-Schulen die Corona-Zahlen – das sorgt dafür, dass das gute alte System des Präsenzunterrichts mehr und mehr infrage gestellt wird. Dennoch hält die NRW-Landesregierung eisern daran fest. Ist das klug?

Natürlich hat der Präsenzunterricht gerade für Kinder aus bildungsfernen Schichten besondere Bedeutung – ein Argument des Schulministeriums. Zu vernachlässigen ist das nicht. Fernunterricht wäre weniger an Grund-, aber doch an weiterführenden Schulen machbar. Und ­würde gegen nach oben schnellende Corona-Zahlen helfen – eine Position, die mit Blick aufs steigende ­Infektionsgeschehen an ­Bedeutung gewinnt.

Die Stadt Solingen wurde vom Schulministerium zurückgepfiffen, weil sie vorgeschlagen hatte, an weiterführenden Schulen wechselweise eine Hälfte der Klassen im Präsenz- und die andere Hälfte daheim im Distanzunterricht lernen zu lassen. Die Bundesregierung lief am Montag mit ihrem Vorschlag einer Klassen­halbierung in den Konter der Ministerpräsidenten. Was zur entscheidenden Frage führt: ­Worin liegt die Halsstarrigkeit in den Bildungsressorts begründet?

Ein der jeweiligen Situation angepasster Unterricht hätte doch Charme, auch wenn dafür der erzwungene Gleichschritt aufgegeben werden müsste. Dem Beispiel Solingen folgen hieße praktisch, dass in den ­Städten selbst entschieden werden könnte, wie der Unterricht gestaltet wird. Politisch bedeutete dies: Verantwortung zu teilen. Wäre das so schlecht?

In NRW fallen die möglichen Einwände der Landesregierung direkt vor die ­Füße. Was, wenn Kinder gerade in ärmeren Quartieren weder über Laptop noch Tablet verfügen? Wie umgehen mit Schulen, die noch nicht am Glasfasernetz hängen und denen es an Equipment ebenso fehlt wie an geschultem Personal? Ein Kernproblem ist: NRW hat die Digitalisierung des Systems Schule verpennt. Das rächt sich nun. Das Festklammern am Präsenzunterricht ist eine Folge dieses Versäumnisses. Solange Laptop, Tablet und Smartboard nicht wie selbstverständlich in den Unterricht integriert sind, solange Lehrern und Schülern die Ausrüstung fehlt und Schulen der Zugang zum schnellen Internet, bleibt ja auch nicht viel ­anderes übrig.

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