Kommentar zum anstehenden Präsidentenwechsel in den USA
Große Erleichterung

Der Faktor Vernunft dürfte es nicht gewesen sein, der Donald Trump nun bewogen hat, den Machtübergang in den USA nicht mehr vollständig zu blockieren. Vielmehr haben wohl der Druck der eigenen Partei und die Erkenntnis Früchte getragen, den Realitäten nicht mehr länger ausweichen zu können.

Mittwoch, 25.11.2020, 10:29 Uhr aktualisiert: 25.11.2020, 10:43 Uhr
Gewählter und wohl bald auch amtierender US-Präsident Joe Biden
Gewählter und wohl bald auch amtierender US-Präsident Joe Biden Foto: Carolyn Kaster/AP/dpa

Der Faktor Vernunft dürfte es nicht gewesen sein, der Donald Trump nun bewogen hat, den Machtübergang in den USA nicht mehr vollständig zu blockieren. Vielmehr haben wohl der Druck der eigenen Partei und die Erkenntnis Früchte getragen, den Realitäten nicht mehr länger ausweichen zu können. Zwar dürfte der bis zum 20. Januar 2021 amtierende Präsident noch weiter wüten und versuchen, den klaren Sieg Joe Bidens als illegitim und durch finstere Mächte und manipulierte Wahlmaschinen erschlichen darzustellen.

Doch ein solches Verhalten dürfte vor allem dazu dienen, sich selbst zu betrügen. Trumps Anwälte haben bis heute keine gerichtlich verwertbaren Beweise für eine gestohlene Wahl vorlegen können. Und nichts spricht dafür, dass sich dies ändern wird. Deshalb ist es auch nur konsequent, dass Biden nun damit begonnen hat, sein Kabinett und seine wichtigsten persönlichen Berater auszuwählen. Die ersten Entscheidungen zeigen, dass man auch in Europa aufatmen darf. Denn mit An­tony Blinken (Außenminister) und Jake Sullivan (Nationaler Sicherheitsberater) hat der Demokrat zwei erfahrene und kompetente Persönlichkeiten benannt, denen es aufgrund ihrer ­Vita gelingen dürfte, den durch Trump und sein „America first“-Team angerichteten Schaden langfristig zu beheben. Das gilt vor allem für den Vertrauensbereich. Denn unter Trump wussten die transatlantischen Partner nicht, welchen Wert die Worte aus dem Weißen Haus hatten.

Zwar wird das Leben auch für Berlin – siehe Handelsfragen und das Nordstream-2-Projekt – nicht unbedingt sofort viel einfacher werden. Doch Bidens Personal steht auch für das Prinzip Ehrlichkeit in der Politik. Und das ist nach der Ära Trump eine große Erleichterung.

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