Kommentar zu den EU-Sanktionen gegen die Türkei
Endlich klare Kante

Ankara

un­tersagte also die Durchsuchung eines türkischen Frachters auf Waffen für Libyen. Und provozierte damit einmal mehr Ärger mit Nato-Verbündeten, Nachbarn und dem immer kleiner werdenden Kreis an Partnern, die sich allesamt reiben an der aggressiven Außenpolitik der Türkei und der Großmannssucht ihres Präsidenten Erdogan.

Mittwoch, 25.11.2020, 11:00 Uhr aktualisiert: 25.11.2020, 11:03 Uhr
Vor Libyen im Einsatz: die Fregatte Hamburg - hier im Februar 2020 bei ihrer Rückkehr nach Wilhelmshaven.
Vor Libyen im Einsatz: die Fregatte Hamburg - hier im Februar 2020 bei ihrer Rückkehr nach Wilhelmshaven. Foto: Mohssen Assanimoghaddam/dpa

Ob tatsächliche Waffen an Bord waren, ist unbekannt, aber nicht unwahrscheinlich. Der Zwischenfall ist der dritte seiner Art. Das stärkt das Lager jener EU-Staaten, die beim Gipfel im Dezember eine harte ­Linie gegen Ankara fordern. Die ist dringend geboten.

In den vergangenen ­Tagen hat Erdogan die EU umschmeichelt, weil er Sanktionen fürchtet. Er will den Zusammenbruch seiner Wirtschaft vermeiden und ­seine Macht ­sichern. Die ökonomische Krise in der Türkei gibt der EU einen Hebel in die Hand, effektiv Druck auszuüben.

Erdogans versöhnliche Worte sind nichts anderes als Taktik. Für ihn und seine Regierung ist die EU ein Papiertiger. Zahnlos, kraftlos, nicht in der Lage, gemeinsam und entschlossen zu agieren.

Die Geschichte zeigt, dass staatliche Rückbesinnungen auf einstmalige Größen allzu oft im Größenwahn enden. Erdogan träumt schon lange von einem neuen Osmanischen Reich. Zum Wohle aller gilt es, solchem Streben Einhalt zu gebieten. Konsequent, hart, einmütig.

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