Kommentar zum Drogenbericht der Bundesregierung
Zeit für Ehrlichkeit

Die CSU hat schon eine ganze Reihe von Drogenbeauftragten gestellt. Aber die aktuelle Amtsinhaberin Daniela Ludwig geht ihren Job auf sehr bemerkenswerte Weise an. Ihre Schwerpunkte wären in zurückliegenden Jahrzehnten für CSU-Verantwortliche unvorstellbar gewesen.

Freitag, 27.11.2020, 09:52 Uhr aktualisiert: 27.11.2020, 10:44 Uhr
Der aktuelle Drogenbericht widmet sich ausführlich den folgen von zuviel Tabakkonsum.
Der aktuelle Drogenbericht widmet sich ausführlich den folgen von zuviel Tabakkonsum. Foto: Axel Heimken/dpa

Da galt: Drogensucht hat was mit Haschisch, Heroin und Kokain zu tun, und diese illegalen Drogen müssen als Teufelszeug mit allen Mitteln bekämpft werden. Die Zigarette und das Bier gehörten aus dieser Sicht dagegen tendenziell zu den gewöhnlichen Lebensmitteln.

Das war die Zeit, als Cannabis-Fans für eine Gleichstellung des Kiffens mit Pfeifenrauchen und Weintrinken eintraten. Ihre Überzeugung: Cannabis ist so harmlos wie Tabak und Alkohol und macht auch nicht süchtig. Seit Jahrzehnten läuft diese Legalisierungsdebatte mit den stets gleichen Argumenten.

Doch Ludwig hat sich und die aktuelle Drogenpolitik der Bundesregierung ehrlich gemacht. Bei der Vorstellung ihres Jahresberichtes stellte sie die erschreckende Entwicklung bei den Tabak-Toten in den Vordergrund. Der Anstieg um 6000 auf 127 000 im Jahr sei ein alarmierender Befund. Es sei sehr ermunternd, dass zugleich die Prävention zu wirken beginne und die Zahl der Raucher quer durch alle Altersgruppen sinke. Die Fluppe im Mund ist für Jugendliche nicht mehr cool, sondern für die meisten inzwischen out. Dennoch dürfe die Dimension der Suchtgefahren niemals aus dem Blick geraten.

Beharrlich ackert Ludwig an weiteren Konsequenzen dieser neuen Sicht auf Drogen und ihre Verfügbarkeit. Schrittweise sollen weitere Einschränkungen greifen. Alle unter der Devise, der Verharmlosung der Todesdroge Nummer eins die Basis zu nehmen.

Derweil nähern sich die Legalisierungsbefürworter einer Umsetzung ihres Lieblingsprojektes. In einzelnen Staaten der USA und Kanadas laufen Legalisierungen. Grüne und FDP haben sich in Parteitagsbeschlüssen ebenfalls darauf festgelegt, streben eine Umsetzung im nächsten Jahr in Koalitionsgesprächen an. Zugleich zeigen Entkriminalisierung, Verharmlosung und Verfügbarkeit auch in Deutschland dramatische Effekte. In den Suchtkliniken ist jeder zehnte stationäre und jeder fünfte ambulante Patient ein Cannabis-Konsument, der mit der Sucht und ihren Folgen nicht mehr fertig wird. Doppelt so viele wie Heroin-Konsumenten. Kiffen ist eben nicht harmlos. Den Zugang zu erleichtern, würde die Zahl der Opfer vergrößern. Es wird Zeit, sich ehrlich zu machen – auf beiden Seiten.

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