Kommentar zu Gottesdiensten an den Weihnachtstagen
Vorbildlich

Was ist verboten, was noch erlaubt? Diese Frage beschäftigt uns in Corona-Zeiten besonders häufig. Doch lässt sie sich auch andersherum stellen: Muss man sich denn unbedingt alles erlauben, was nicht strikt verboten ist?

Mittwoch, 16.12.2020, 21:08 Uhr aktualisiert: 16.12.2020, 21:22 Uhr
Die Kirchen reagieren unterschiedlich auf die Pandemie.
Die Kirchen reagieren unterschiedlich auf die Pandemie. Foto: Philipp Schulze/dpa

Die Evangelische Kirche von Westfalen verzichtet ausgerechnet zu Weihnachten auf Präsenz-Gottesdienste. Aus freien Stücken. Präses Annette Kurschus steht damit für einen bisher einsamen, für ei­nen mutigen Weg. Denn auch wenn Weihnachten aus theologischer Sicht nicht das höchste Fest sein mag, so ist es für die allermeisten Christen und selbst für viele, die dem Glauben sonst eher fern stehen, doch mit Abstand das wichtigste kirchliche Fest. An Weihnachten sind die Gotteshäuser traditionell voll – was sonst ja kaum noch vorkommt.

Macht hoch die Tür, die Tor macht weit? Das gilt für die Evangelische Kirche von Westfalen in diesem Jahr nicht – sie behilft sich mit einer Fülle von kreativen Alternativformaten. Da aber keines dieser Formate den Zauber der Heiligen Nacht und der beiden Weihnachtsfeiertage in der Kirche ersetzen kann, dürfte der Verzicht auf Präsenz-Gottesdienste nicht unumstritten sein. Denn ohne jeden Zweifel geht so vielen Menschen eine Kraftquelle verloren, die gerade in diesen düsteren Tagen der Pandemie von großer Bedeutung sein könnte.

Und doch ist die Entscheidung der Evangelischen Kirche von Westfalen vorbildlich. Sie zeigt mit Nachdruck, was für uns alle gerade auf dem Spiel steht. Und sie ist praktizierte Nächstenliebe – gerade weil sie so unendlich wehtut. Dieser Verzicht trifft die Kirche ins Mark und beweist zugleich ihren Sinn für die Realität. Präses Annette Kurschus hat sich für den unbequemen Weg entschieden. Ihre Kirche verschanzt sich nicht hinter ei­nem Beschluss der Politik, sondern macht aus eigenem Antrieb mehr als sie machen müsste. Schade, dass man das im Erzbistum Paderborn nicht genauso sieht.

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