Kommentar: Versagen der Politik in der Krise
Stille Schulen

Wie sehr wünscht man sich in diesen Corona-Lockdown-Zeiten lärmende Schüler, die in großen Horden nach der letzten Schulstunde nach Hause stürmen. Stattdessen saßen sie wieder im Homeschooling daheim. Und haben jetzt bereits vorgezogene Ferien. Allerdings ohne Urlaub, Verwandte oder Freunde.

Samstag, 19.12.2020, 13:12 Uhr
Symbolbild.
Symbolbild. Foto: Matthias Balk/dpa

Der Umgang mit Lehrern und Schülern in der Krise ist das zentrale Versagen der Politik in der Corona-Pandemie. Wirtschaftshilfen, Impfzentren, Maskenbeschaffung, Gesundheitssystem – Staat und Verwaltung haben mit einigem Anlauf in vielen zentralen Punkten die Bürger bislang gut durch die Pandemie gebracht. Doch bei den Schulen hat nichts funktioniert, was nicht engagierte Lehrer und findige Rektoren selbst auf die Beine gestellt hätten. Wechselunterricht, hybrides Lernen, Ausweichen auf größere Räume, rein virtueller Unterricht – die Fokussierung auf nur eines dieser Konzepte hätte gereicht. Es gab viel politischen Streit, gebracht hat er am Ende: gar nichts.

Kanzlerin Angela Merkel agiert ruhig und sicher in diesen Tagen. Nur beim Thema Schulen hat auch sie nicht das richtige Gespür. Es müsse doch möglich sein, die Schulen in der aktuellen Infektionslage früher zu schließen, sagte sie in ihrer Regierungserklärung. Sicher, zwei Tage mehr oder weniger, das mag man verkraften – zumal kurz vor den Feiertagen. Aber das überwölbende Konzept fehlt nach wie vor, auch für die Zeit nach dem 10. Januar.

Offene Fenster bei null Grad als einzige Idee anzubieten, ist politisches Versagen. Auch der Rat der Kanzlerin, die frierenden Kinder sollten ab und zu eine „kleine Kniebeuge“ machen, gehört ins Reich der politischen Anekdoten. Für Kinder und Jugendliche ist diese Pandemie verstörend. Die wenigsten Erwachsenen haben in ihrem Leben bislang Ähnliches erlebt. Die Länder werden nicht müde, ihre Eigenständigkeit beim Thema Bildung zu betonen. Länderhoheit heißt es immer. Es ist an der Zeit für ein Expertengremium aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik auf Bundesebene, um eine Taskforce Schule einzuberufen.

Der Vorsitz bei der Kultusministerkonferenz hat gerade gewechselt – die Stoßrichtung sollte es im Jahr 2021 auch. Die Schüler sind die Zukunft dieses Landes – eine Generation Corona muss von Politik und Gesellschaft verhindert werden. Das ist vor allem im Interesse derer, die jetzt gerade am Ruder sitzen. Sie werden sich auf diese Generation einmal verlassen müssen.

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