Kommentar zu Deutschland im Lockdown
Lockerungen? So nicht!

Wer sich die Frage nach möglichen Lockerungen nach dem 10. Januar vorurteilsfrei auf Faktenbasis vornimmt, kommt an den Zahlen zwei Wochen vor dem Ausschleichen aus dem ersten Lockdown im Frühjahr nicht vorbei. Damals lagen 2700 Covid-Patienten auf den Intensivstationen, heute sind es 5700. Damals starben täglich 280 Menschen, heute mehr als 1000. Damals lagen 347 Städte und Kreise unter dem Inzidenzwert von 50 Neuinfektionen je 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen. Heute sind es nur rund zwanzig.

Freitag, 01.01.2021, 09:40 Uhr
Menschen mit Mundschutz gehen an einem geschlossenen Geschäft an der Königsstraße in Stuttgart vorbei.
Menschen mit Mundschutz gehen an einem geschlossenen Geschäft an der Königsstraße in Stuttgart vorbei. Foto: Tom Weller/dpa

Schon diese Zahlen entlarven den Gedanken an Lockerungen als weltfremde Problemflucht. Noch wichtiger ist der Blick auf den Trend. Mitte April lagen wir bei 2500 Neuinfektionen mit kontinuierlich fallender Tendenz, heute pendeln wir ständig um das Zehnfache dieses Wertes. Da über Weihnachten Zehntausende von Tests ausfielen, dürften wir Anfang Januar erst noch einen weiteren Schub in die entgegengesetzte Richtung zu verzeichnen haben.

Das Ausland reagiert ungläubig bis fassungslos auf die Entwicklung in Deutschland. Waren wir in den Monaten nach dem ersten Lockdown geradezu eine Insel der Vorbildlichkeit, reißen wir gerade Rekorde der Nachlässigkeit. Die Einstellung stimmt einfach nicht bei zu vielen Menschen.

Ziel des Lockdowns ist es, die Kontaktmöglichkeiten so weit wie möglich einzuschränken, damit das Virus nicht mehr überspringen kann. Am besten also verlässt keiner mehr seine eigenen vier Wände. Wir machen eine Ausnahme fürs Einkaufen im Supermarkt, haben dort zahlreiche Kontakte. Wir machen eine Ausnahme bei den Fahrten im Nahverkehr, haben dort zahlreiche Kontakte. Wir machen eine Ausnahme für das Treffen mit Freunden und Verwandten. Doch selbst wenn wir uns an die Vorgaben halten, das auf wenige Menschen aus einem anderen Haushalt zu beschränken – wenn wir es fast täglich mit anderen wiederholen, sind auch das viele Kontakte.

Kommt nach dem Jahreswechsel die dritte Welle, nähert sich das Gesundheitssystem dem Zusammenbruch. Dann geht es Mitte Januar nicht um Lockerungen, sondern um weitere Verschärfungen.

Aber wir schauen nicht nur Frust und Einschränkungen entgegen. Im Fe­bruar dürften sich die Effekte aus Weihnachtszeit und Freizeitverhalten auswachsen. Ab März sollte die Impfdynamik zunehmend das Infektionsgeschehen beeinflussen. Und besseres Wetter wird es dem Virus dann noch schwerer machen. Dem Pessimismus für den Januar folgt Optimismus für den Rest des Jahres.

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