Kommentar zur Kritik an der Impfstoff-Bestellung
Unnötiges Geplänkel

Die Bundesregierung hat aus gutem Grund den europäischen Weg bei der Beschaffung der Corona-Impfstoffe gewählt. Sie bestellte nicht selbst bei den Produzenten, sondern überließ dies der EU.

Sonntag, 03.01.2021, 23:44 Uhr aktualisiert: 04.01.2021, 00:40 Uhr
Symbolbild
Symbolbild Foto: Fabrizio Bensch/Reuters/Pool/dpa

Damit hat sie die europäische Gemeinschaft gestärkt und dafür gesorgt, dass die Verteilung der Impfdosen überall in Europa als gerecht empfunden wird. Ein deutscher Alleingang dagegen hätte großen politischen Schaden angerichtet: Wieder wären die Deutschen in den Verdacht geraten, ihre wirtschaftliche Macht für nationale Interessen einzusetzen. Die EU ist aber auch in dieser Krise darauf angewiesen, dass alle Einzelstaaten im Interesse des Ganzen handeln. Deutschland könnte die unschönen Sonderwege von Polen oder Ungarn nicht mehr kritisieren, träte es selbst in der wichtigen Impf-Frage nicht als Teamplayer auf.

Auch der EU ist bei der Bestellung der Impfstoffe kein Vorwurf zu machen. Bestellt sind genügend Dosen für alle 450 Millionen EU-Bürger. Doch nicht nur die Produktionskapazitäten sind begrenzt. Auch andere Länder und Kontinente haben ein Recht auf die in Europa und USA entwickelten Impfstoffe. Zudem sah es lange so aus, als hätte der Hersteller AstraZeneca die Nase vorn, dann kam es dort zu Rückschlägen. Die EU musste blind bestellen, sie konnte nicht wissen,wann welcher Impfstoff zuerst die Zulassung erhalten würde. Voraussichtlich kommende Woche wird auch der Impfstoff von Moderna in Europa zugelassen.

Berechtigt ist Kritik aber an der Kommunikation von Bund und Ländern – und zwar sowohl, was die Impfstrategie angeht, als auch die Frage der Dauer des Lockdowns. Ältere oder pflegebedürftige Menschen werden nicht umfassend genug darüber informiert, wann sie wie und wo geimpft werden können. Oft sind alte Menschen nicht in der Lage, für längere Zeit in Telefon-Warteschleifen oder online nach Impfterminen zu fragen oder zu suchen. Hier wäre eine klarere Information durch Anrufe oder Radio wünschenswert.

Unnötig ist auch die Diskussion über das voraussichtliche Ende des Lockdowns. Die Bürger hören jeden Tag, dass sich die Corona-Zahlen noch nicht nennenswert verringert haben, dass die Wirkungen von Weihnachten und Silvester in den Zahlen noch nicht enthalten sind. Niemand macht sich daher Illusionen über eine schnelle Wiedereröffnung der Geschäfte, schon gar nicht die Unternehmer selbst. Statt im Vorfeld zu unken, sollten Bund und Länder am Dienstag eine bundeseinheitliche Verlängerung bis Ende Januar vereinbaren, die dann auch einheitlich kommuniziert wird. Die Kakophonie und die Alleingänge der Ministerpräsidenten in dieser Krise sind kontraproduktiv, weil sie die Bürger nur verwirren.

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