Kommentar zur Wahl des neuen CDU-Bundesvorsitzenden
Die Mitglieder sind nicht die Delegierten

Mehr als die Hälfte der 1001 Delegierten des digitalen CDU-Bundesparteitags sind Mandatsträger, also Abgeordnete aus Landtagen und dem Bundestag sowie Landräte und Bürgermeister. Diese Mandatsträger stehen in dem Ruf, dem Kandidaten ihre Stimme zu geben, der ihnen das Mandat auch bei der nächsten Wahl einigermaßen aussichtsreich erscheinen lässt.

Montag, 11.01.2021, 23:56 Uhr aktualisiert: 12.01.2021, 00:10 Uhr
Um ihren Nachfolger geht es: Annegret Kramp-Karrenbauer ist am 7. Dezember 2018 zur Bundesvorsitzenden der CDU gewählt worden.
Um ihren Nachfolger geht es: Annegret Kramp-Karrenbauer ist am 7. Dezember 2018 zur Bundesvorsitzenden der CDU gewählt worden. Foto: Kay Nietfeld/dpa

Jeder – ob Merz, Laschet oder Röttgen – muss vor allem diese Delegierten davon überzeugen, dass er bei der Bundestagswahl als CDU-Vorsitzender und potenzieller Kanzlerkandidat ein besseres Ergebnis verspricht als seine Konkurrenten.

Unwichtig ist die Stimmung an der Basis gewiss nicht. Aber sie gibt bei Mandatsträgern auch dann nicht den Ausschlag, wenn die Tendenz so eindeutig ist wie in den CDU-Kreisverbänden Höxter und Minden-Lübbecke. In ganz Ostwestfalen-Lippe ist Friedrich Merz der Favorit der Parteimitglieder. Und beim CDU-Bundesparteitag im Dezember 2018 in Hamburg sollen 31 der 38 Delegierten aus OWL in der Stichwahl für Merz votiert haben – und nicht für Annegret Kramp-Karrenbauer.

Dass Merz zwei Jahre nach dieser Niederlage – die viele in der CDU im Nachhinein bedauern, weil AKK nicht geliefert hat – noch einmal antritt und erneut gute Chancen hat, sagt viel über den Zustand der CDU aus.

Der Wunsch nach mehr Profil und mehr Markenkern bleibt ausgeprägt. Vielleicht ist er gut zehn Monate vor dem Ende der Merkel-Ära noch größer als zuvor. Und wenn sich Merz im Herbst mit seinem öffentlich geäußerten Verdacht ei­ner „Verschwörung des Establishments“ gegen sich nicht selbst geschadet hätte, wäre seine Chance größer. Denn damit hat er auch ei­nen Teil seiner Anhänger verärgert, die nun deswegen an ihm zweifeln.

All das bedenken die Delegierten, bevor sie am Samstag ihre Entscheidung treffen. Fest steht nur: Einen Favoriten gibt es nicht.

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