Kommentar: Nein zur Impflicht
Verlust von Vertrauen

Bei allem Verständnis für den Wunsch nach einer schnellen Herdenimmunität ist der Ruf nach einer Corona-Impfpflicht – vor allem zu diesem frühen Zeitpunkt – kontraproduktiv.

Dienstag, 12.01.2021, 23:40 Uhr aktualisiert: 13.01.2021, 00:02 Uhr
Franziska Bruning im Impfzentrum Bielefeld-Bethel mit dem Corona-Impfstoff von Biontech-Pfizer.
Franziska Bruning im Impfzentrum Bielefeld-Bethel mit dem Corona-Impfstoff von Biontech-Pfizer. Foto: Thomas F. Starke

Der Staat darf sich nur in absoluten Ausnahmefällen über das Recht auf körperliche Unversehrtheit hinwegsetzen. Als Ultima Ratio, wenn alle anderen Maßnahmen versagen. Andernfalls verspielt er leichtfertig das Vertrauen seiner Bürger.

Im Fall der Impfpflicht muss zunächst alles daran gesetzt werden, durch Argumente und Informationen zu überzeugen und ein hohes Maß an Freiwilligkeit zu erreichen. Grundvoraussetzung für einen staatlichen Zwang ist zudem die Garantie für ein Höchstmaß an Sicherheit. Aufgrund der schnellen Entwicklung der Impfstoffe und fehlender Daten zur Langzeitwirkung kann diese jedoch nicht gewähr­leistet werden.

Besonders bedenklich ist der Vorschlag, ausschließlich Pflegekräfte zur Impfung zu verpflichten. Zum einen würde die Politik nach Wochen gegenteiliger Behauptungen ihr Gesicht verlieren. Zum anderen würde man die Menschen vor den Kopf stoßen, die uns durch die Pandemie getragen haben. Massenkündigungen in der Pflege sind das Letzte, was Deutschland nun gebrauchen kann.

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