Sa., 13.10.2018

Das WESTFALEN-BLATT zu Besuch im Abba-Museum in Stockholm – mit Video Auf den Spuren von Agnetha, Benni, Björn und Frida

Regina Grafunder am roten Telefon im Abba-Museum: Nur die vier Bandmitglieder haben die Nummer und rufen manchmal dort an.

Regina Grafunder am roten Telefon im Abba-Museum: Nur die vier Bandmitglieder haben die Nummer und rufen manchmal dort an.

Von Michael Robrecht

Stockholm (WB). Die Nachricht, dass Abba nach 35 Jahren Pause wieder im Studio waren und zwei neue Songs aufgenommen haben, ist die Popsensation des Jahres. Die Ankündigung hat die Abba-Fans in Ekstase versetzt und weltweit für Schlagzeilen gesorgt.

Andere Siebzigjährige gehen in Rente, die legendäre schwedische Popgruppe ist aktiver denn je. 2018 ist ein Abba-Jahr: Teil zwei des Mamma-Mia-Films samt Album finden sich an der Spitze von ­Kino- sowie von CD-Verkaufs- und Download-Charts. Das Abba-Museum mit Hotel in Stockholm auf der Insel Djurgarden ist erweitert worden und gilt als Publikumsmagnet. Schwedens Hauptstadt hat eine Marketing-Offensive mit Abba-Stadtführungen gestartet. »Abba – The Party«, eine Restaurant-Liveshow« mit Abba-Songs, sorgt in Stockholm und in London für Warteschlangen. 100 Millionen Besucher haben weltweit die Mamma-Mia-Musicals gesehen. Weltstar Cher veröffentlichte ein Album mit Abba-Songs und stürmt die Charts. Dutzende Coverbands ziehen wie »Abba Mania The Show« immer noch Zehntausende Fans in die Konzert­hallen. Das alles gilt als perfekter Schub für die 2019/20 geplante Avatar-Welttournee.

Avatar-Projekt

Bei dem Avatar-Projekt kehrt die schwedische Kult-Band als digitale Kopie in die Konzerthallen zurück – so jung wie bei der Welttour 1979. In einer internationalen Abba-Erinnerungsshow für die TV-Sender BBC und NBC sollen im Frühjahr 2019 erstmals lebensechte Avatare – also computer­animierte Kunstfiguren – mit weiteren Popstars die legendären Hits und das neue Material zu Gehör bringen, wie Abba-Mitglied Björn Ulvaeus verrät. »Es ist das erste Mal im Popbusiness, dass so etwas gemacht wird«, sagt er. Die Show soll dann auf Welttournee gehen. Die Avatare – keine Hologramme wie im Abba-Museum – geben Konzerte bei der digitalen Reunion.

Da rocken dann zwar nicht vier flotte Musikpensionäre über die Bühne, sondern die blonde Agnetha und rotbraune Frida liefern im Avatarformat eine perfekte Show. Computer-Spezialisten aus dem Silicon Valley haben für die Abba-Wiedervereinigung mit 200 Kameras Maß an allen vier Musikern genommen und sie aus allen Blickwinkeln fotografiert. »Wir nennen die Jung-Abba‘s ›die Abbatare‹«, berichten Benny und Björn. Dazu würden dann die beiden neuen Singles »I still have faith in you« und »Don’t shut me down« veröffentlicht. Weitere Songs sollen erst komponiert werden, wenn sie für das Projekt noch nötig sind. Sogar über ein Album wird inzwischen spekuliert.

Die Aufnahmen in Bennys Studio im Abba-Hauptquartier »Mono Music« auf der Insel Skeppsholmen am Stockholmer Hafen hätten großen Spaß gemacht, erzählen Agnetha Fältskog (68), Benny Andersson (71), Björn Ulvaeus (73) und Frida Lyngstad (72). Der weltweit bekannteste Abba-Biograf Carl Magnus Palm freute sich im Gespräch mit dem WESTFALEN-BLATT in Stockholm über die nicht mehr für möglich gehaltene Wiedervereinigung der Band. Es sei so, als sei man nur für einen Urlaub weggewesen, habe die Gruppe ihm erzählt.

Neue Songs hat noch niemand gehört

Die neuen Songs, die ersten Abba-Aufnahmen seit 1983, habe außer dem engen Umfeld noch niemand gehört. Ein Lied sei eine Abba-typische Ballade, bei der ­Frida die sogenannte Lead-Stimme übernehme. Der zweite neue Song sei im Abba-Disco-Stil arrangiert, ist Carl Magnus Palm zugetragen worden. »Wir alle vier hatten das Gefühl, dass es nach gut 35 Jahren Spaß machen könnte, wieder ins Aufnahmestudio zu gehen«, teilt die Band mit.

Es sei erstaunlich gewesen, dass die Songaufnahmen 2017 mehr als ein Jahr lang geheim geblieben seien, sagt die langjährige Abba-Managerin Görel Hanser. Sie berichtet beim WESTFALEN-BLATT-Besuch im Abba-Hauptquartier, dass besonders Benny und Björn sowie viele Mitarbeiter zurzeit unzählige Vorgespräche zu dem Avatar-Projekt in Stockholm führten. Alle seien sehr gespannt, ob die Idee ankomme. Görel Hanser hat auch als einzige zwei Fotos während der Studioaufnahmen gemacht und veröffentlicht. Wo die Premiere des Avatar-Konzertes stattfindet, ist noch offen: ­Berlin soll gute Chancen haben.

Reaktion auf Wünsche der Fans

Natürlich macht die Band der Gute-Laune-Songs Millionen Musikfans mit ihren Plänen glücklich. »Fernando«, »Super Trouper«, »Honey Honey«, »Waterloo«, »One of us«, »Dancing Queen«, »Mamma Mia« oder »The Winner takes it all«: Fast jeder hat bei diesen ­Titeln die eingängigen Melodien im Kopf – sogar die jungen Leute, die nur die Mamma-Mia-Filme mit den Hits kennen, singen mit.

Carl Magnus Palm, der in seinen Büchern auch die privaten Dramen hinter der Glitzerfassade der Band beschreibt, sagt, dass die vier Gold-Schweden alle sehr reich durch Abba geworden seien und noch ihre Enkel von den Tantiemen leben könnten. Man reagiere nun endlich auf die Jahrzehnte hartnäckig geäußerten Revival-Wünsche der Fans. Abba sei immer noch im Bewusstsein eines Millionenpublikums stark präsent. Er habe für ein Buch- und CD-Projekt von Benny und Björn einmal exklusiv unveröffentlichte Songs im Studio von den beiden vorgespielt bekommen. Da seien noch viele Perlen dabei gewesen, leider oft nur halb fertig produziert, bedauert Palm. »Die können das Songschreiben einfach.«

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