Do., 14.03.2019

Neubewertungen der laufenden Grabungen Wissenschaftler zweifeln am Ort der Varusschlacht

Fand die Varusschlacht doch nicht in Bramsche-Kalkriese statt? Ein Bild vom Grabungsgelände aus dem Jahr 2016.

Fand die Varusschlacht doch nicht in Bramsche-Kalkriese statt? Ein Bild vom Grabungsgelände aus dem Jahr 2016. Foto: dpa

Osnabrück (epd). Die Varusschlacht aus dem Jahr 9 n. Chr. hat möglicherweise doch nicht in Bramsche-Kalkriese bei Osnabrück stattgefunden. Die Forscher seien aufgrund neuer Erkenntnisse dazu über gegangen, von einem »Varusereignis« zu sprechen, sagte der wissenschaftliche Leiter der Grabung, Salvatore Ortisi.

In der unter anderem vom römischen Schriftsteller Tacitus beschriebenen Varusschlacht schlug ein germanisches Heer unter Führung des Cheruskerfürsten Arminius drei römischen Legionen unter dem Feldherrn Publius Quinctilius Varus.

Sein Team prüfe zurzeit, ob die antike Kampfhandlung rund um das im Jahr 2002 eröffnete Varusschlacht-Museum eine große offene Feldschlacht, ein Kampf um eine römische Befestigung, ein Angriff in die Flanke eines vorbeiziehenden Heeres oder ein Hinterhalt gewesen sei, sagte Ortisi. »Mit der Bezeichnung ‘Varusereignis’ subsumiert man die derzeit möglichen Szenarien und hält die Diskussion offen«, erläuterte der Archäologe von der Ludwig-Maximilians-Universität München, der 2015 und 2016 an der Uni Osnabrück tätig war.

Die Forschung müsse dynamisch sein

Hintergrund sind nach seinen Angaben unter anderem Neubewertungen der laufenden Grabungen rund um das Varusschlacht-Museum in Kalkriese. Ein Wall, von dem bis vor kurzem angenommen wurde, er habe den Germanen zum Hinterhalt gedient, habe sich als Teil eines römischen Militärlagers entpuppt.

Das Gelände in Kalkriese sei weiterhin als Schauplatz eines Kriegsereignisses »von immenser Ausdehnung« zu betrachten, sagte Ortisi. Das zeigten die Verbreitung von Münzschätzen und die Streuung römischer Ausrüstungsteile. Und es sei nach wie vor »der einzige echte Kampfplatz der frühkaiserzeitlichen Germanenkriege, den wir kennen«. Aber Forschung müsse immer dynamisch sein: »Wenn es neue Erkenntnisse gibt, muss man bisherige Sichtweisen hinterfragen.«

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