Do., 18.04.2019

Paradoxon bei der Berechnung des Termins Ostern 2019 war schon

Symbolbild.

Symbolbild. Foto: Arno Burgi/dpa

Von Matthias Meyer zur Heyde

Bielefeld (WB). Ostern wird immer am ersten Sonntag nach dem ersten Vollmond im Frühling gefeiert – also hätte am 23. März Ostern sein müssen. Denn der Frühling 2019 begann am Mittwoch, dem 20. März, und tags darauf war Vollmond.

Die Regel »Ostern am ersten Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond« wurde im Jahr 325 n.Chr. festgelegt, als sich die Kirchenfürsten des Römischen Reiches – zumeist aus seinem von Byzanz beherrschten Ostteil – zum Konzil von Nicäa (heute Iznik in der Westtürkei) trafen. Damals wurde das Christentum Staatsreligion im Reich – und damit in fast ganz Europa, Nordafrika und im Vorderen Orient. Diese Ländervielfalt machte es notwendig, regionale Feste, Bräuche und eben auch die Termine zu standardisieren. Ostern sollte in allen Kirchen (gemeint sind hier die unterschiedlichen Ausprägungen des christlichen Glaubens) an demselben Tag gefeiert werden.

Weil damals die Mathematiker im ägyptischen Alexandria im Ruf standen, die fähigsten Wissenschaftler in ihren Reihen zu haben, sollte der mathematisch beschlagene Bischof dort Jahr für Jahr das Osterdatum berechnen und das Ergebnis dem Papst in Rom zusenden. Aber so gut der Bischof auch rechnete – seine Annahme, das Jahr habe 365,25 Tage, stimmte nicht ganz.

Ostern am 21. März?

Zwecks Berechnung des Frühlingsanfangs nach modernen, auf die Sekunde genauen Kriterien setzen die Astronomen die Dauer des sogenannten Tropischen Jahres auf 365,2422 Tage (365 Tage, 5 Stunden, 48 Minuten, 46 Sekunden) fest. Weil man aber ein Kalenderjahr zu vollen Tagen rechnet, ergibt sich eine Differenz: Normaljahre (mit 365 Tagen) sind etwas zu kurz – dadurch rückt das Datum des Frühlingsanfangs im Kalender drei Jahre in Folge Stück für Stück auf ein späteres Datum. Schaltjahre mit ihren 366 Tagen hingegen sind etwas zu lang, wodurch sich der Frühlingsanfang in jedem vierten Jahr wieder auf ein früheres Datum verschiebt.

Die Kirche in der Antike entschied sich, den Frühlingsanfang immer auf den 21. März zu legen. Und weil sie auch die Vollmondzeiten etwas ungenauer ausrechnet, als es die Astronomen heute tun, kommt sie für das Jahr 2019 auf einen Vollmondtermin am 20. März. Das aber kann dann nur der letzte Wintervollmond sein, denn nach kirchlicher Ansicht – Frühlingsbeginn immer am 21. März und Vollmond am 20. März – kann Ostern 2019 nicht im März gefeiert werden. Der erste Frühlingsvollmond ist nach dieser Berechnung am Karfreitag – also feiern wir Ostern in diesem Jahr erst am 21. April.

Konstellation zuletzt 1962

Weil hingegen die Moderne den Frühlingsanfang viel präziser, astronomisch exakt, berechnet, kann sie sagen: 2019 begann der Frühling am 20. März. Nach dieser Berechnung – Frühlingsbeginn 20. März und Vollmond am 21. März – hätten wir Ostern 2019 schon am 24. März feiern müssen.

Diese besondere Terminkon­stellation wird Osterparadoxon genannt. Das letzte Paradoxon hatten wir im Jahr 1962. Jetzt treten wir in eine Phase ein, in der der modern berechnete Frühling oft schon am 20. März, manchmal sogar bereits am 19. März beginnen wird – und wenn im Jahr 2038 Vollmond wieder am 21. März ist, dem kirchlich festgesetzten Frühlingsbeginn, dann haben wir erneut ein Osterparadoxon.

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