Mo., 20.05.2019

Jägerpräsident fordert Aufnahme der Raubtiere ins Bundesjagdgesetz »Es muss wolfsfreie Zonen geben«

Symbolbild.

Symbolbild. Foto: dpa

Münster (WB). Anlässlich des Landesjägertages, der am Samstag in Münster statt fand, hat Ralph Müller-Schallenberg die Aufnahme des Wolfs in das Bundesjagdgesetz gefordert. Unser Korrespondent Hilmar Riemenschneider sprach mit dem Präsidenten des Landesjagdverbandes.

Die schwarz-gelbe Regierungskoalition hat im Frühjahr das rot-grüne Jagdgesetz wieder zurückgedreht. Fühlen sich die Jäger nun politisch resozialisiert?

 

Ralph Müller-Schallenberg: Zunächst ist mir wichtig, dass die schwarz-gelbe Koalition das Jagdgesetz nicht zurückgedreht hat. Sie hat es fortentwickelt. Es wurden nur die Punkte zurückgedreht, die aus sachlicher und fachlicher Sicht nicht vertretbar waren. Geblieben sind beispielsweise die Jagdverbote im Umfeld von Grünbrücken oder die Anzeigepflicht für Kfz-Unfälle mit Wildschaden, weil es vernünftige Regelungen waren.

Dem rot-grünen Gesetz ist eine monatelange und scharfe Auseinandersetzung vorausgegangen. Wie hat sich das auf die Wahrnehmung der Jäger in NRW ausgewirkt?

 

Müller-Schallenberg: Die Wahrnehmung der Jäger durch die Öffentlichkeit ist nicht nur dadurch gewachsen. Wir haben damals viele Kampagnen gefahren, das war ein entscheidender Punkt. Aber ich glaube, die Aufmerksamkeit für Jäger ist weiter gewachsen. In Deutschland gibt es 385.000 Jagdschein-Inhaber, fast 90.000 sind es in NRW, und 65.000 von ihnen sind im Landesjagdverband organisiert. Das ist eine gute Entwicklung. Dazu kommt: Die Jagd wird weiblicher, es kommen mehr Jägerinnen dazu. Auch bei den Jugendlichen gibt es viele, die mit 16 oder 18 die Jägerprüfung absolvieren. Ich stelle fest, die Jagd ist attraktiver geworden, weil man nicht nur rausgeht und Tiere erlegt. Weitere Aspekte – die Biotoppflege, die Hege, Artenschutz und Klimaschutz – gehören auch dazu. Dazu gewinnt Wildbret – als natürliche Ernährung – eine wachsende Bedeutung.

Einige Forderungen des Landesjagdverbandes sind noch unerfüllt geblieben – eine davon ist, den Wolf in die Liste der jagdbaren Arten aufzunehmen.

 

Müller-Schallenberg: Wir haben die Aufnahme des Wolfs als jagdbare Art ins Landesjagdgesetz für nicht opportun erachtet. Wir haben mit dem Wolf keine großen Probleme, NRW ist noch nicht Wolfsland – auch wenn es ein, zwei Tiere hier gibt. Als urbanes Land haben wir nicht die Probleme, wie sie in Brandenburg oder Sachsen zu beobachten sind. Wir sind aber dafür, dass der Wolf ins Bundesjagdgesetz gehört. Das heißt dann nicht, dass er auch automatisch bejagt werden darf. Aber es muss klar ein: Eine Tierart, die eine Raubwildart ist und keinen natürlichen Feind hat, deren Bestand um 30 Prozent pro Jahr wächst und inzwischen etwa 1300 Stück in Deutschland erreicht hat, hat nach EU-Regeln den günstigen Erhaltungszustand erreicht. Und die Probleme, die für Schäfer oder Pferdehalter entstehen, darf man nicht aus den Augen verlieren. Es darf keine Überpopulation geben, und es muss wolfsfreie Zonen geben. Das muss reguliert werden – und zwar durch Jäger.

Wo steht die Debatte dazu derzeit?

 

Müller-Schallenberg: Umweltministerin Svenja Schulze von der SPD und Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner von der CDU können sich da nicht einigen. Deshalb hat Angela Merkel es zur Chefsache erklärt. Ich bin mal gespannt, wie die Lösung aussieht. Für die östlichen Bundesländer ist das ein Riesenproblem und auch ein Wahlkampfthema.

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