Do., 13.06.2019

Felix Hutt kämpfte mit 37 Jahren um den Einzug in die Tennisweltrangliste Aufschlag zum Abenteuer

Felix Hutt (37) wagt ein Tennis-Abenteuer.

Felix Hutt (37) wagt ein Tennis-Abenteuer. Foto: Felix Hutt

Von Florian Weyand

München (WB). Mit 37 Jahren wagte Felix Hutt ein echtes Tennis-Abenteuer. Der Münchener träumte vom Einzug in die Weltrangliste. Dafür reiste der Amateurspieler rund um den Globus, spielte bei Turnieren in Uganda, Kambodscha oder Pakistan. Immer auf der Jagd nach dem einen Punkt, der seinen Traum erfüllen soll.

Felix Hutt saß 2017 auf einer Couch in Südafrika. Im Urlaub schaute sich der in München lebende Spiegel-Journalist das Finale der Australian Open zwischen Roger Federer und Rafael Nadal an. Der deutlich ältere Federer kämpfte sich in fünf Sätzen zum Sieg. »Das Spiel hat mich inspiriert«, sagt Felix Hutt. Der Amateurspieler, der als Jugendlicher zu den größten Tennis-Talenten in Bayern gehörte und in den USA am College spielte, fasste einen Entschluss: Er will in die Weltrangliste – und das mit 37 Jahren.

Das Problem: Zwar spielte Hutt zu diesem Zeitpunkt in der Herren 30-Klasse in der 2. Bundesliga, in Topform war er nicht. Aber auch das hielt den 1,88 Meter großen Amateursportler nicht auf. Für seinen Traum stellte Hutt sein Leben komplett um, achtete auf seine Ernährung und trainierte fast täglich. »Ich bin früh aufgestanden, habe Tennis gespielt oder Cardiotraining an der Isar gemacht«, erzählt er.

Quark statt Salamibrot

Anstatt Salamibrot gab es morgens Quark mit Früchten. Auf Alkohol verzichtete er. »Das war hart. Ich esse gern und trinke auch mal ein Bier. Ich habe aber schnell gemerkt, dass ich Fortschritte mache«, sagt Hutt.

Nach der intensiven Vorbereitung begann die Tour um den Globus. Hutt nahm keine berufliche Auszeit, arbeitete weiter als Journalist. »Ich habe meinen Urlaub am Tenniskalender ausgerichtet.« Um in die Weltrangliste zu kommen, musste Felix Hutt bei einem ATP-Turnier die erste Runde überstehen. Dafür gibt es einen Punkt. Dabei ist es nicht wichtig, wo in der Welt er aufschlägt. »Egal ob Barcelona oder Kampala – die Währung ist die gleiche«, erzählt der Tennisspieler.

Die Plätze in den Tennisentwicklungsländern, auf denen er sich meist mit deutlich jüngeren Spielern duellierte, waren kurios. Von Glanz und Glamour des weißen Sports war kaum etwas zu sehen. Keine Erdbeeren mit Sahne, keine Players Party. Bei einem Turnier im afrikanischen Uganda regnete es so stark, dass sich auf der Asche riesige Pfützen bildeten. »Die Organisatoren haben Spiritus ins Wasser gekippt und die Pfützen angezündet«, erzählt Hutt. Zudem fand in der Nähe der Anlage ein Musikfestival statt. »Die Menschen waren betrunken, rauchten Joints, der Geruch zog über meinen Platz, und dann diese Lautstärke. Das war surreal«, erinnert er sich.

Distanzierter Kontakt zu Kontrahenten

In Südafrika wurde er zuvor bei mehreren Turnieren abgelehnt, schaffte es erst gar nicht in die Qualifikation. »Ich erhielt nicht mal die Möglichkeit zu scheitern«, sagt Hutt, der aber nicht aufgab und weiter an seine Chance auf den Sprung in die Weltrangliste glaubte. In Pakistan spielte er auf gemahlenen Kieselsteinen – und das erfolgreich. Der Deutsche war nur noch einen Sieg vom ATP-Punkt entfernt, doch gegen einen 17-Jährigen Russen kassierte er eine Niederlage. »Es war eng und unglücklich«, sagt Hutt. Dennoch blieb ihm das Turnier in Islamabad in Erinnerung. »Die Leute waren so unverstellt und echt. Ich habe da eine unglaubliche Gastfreundschaft und Wärme erlebt«, sagt der Münchener.

Eher distanziert war dagegen der Kontakt zu seinen Kontrahenten. Die meist jungen Spieler träumen von einer großen Karriere, einer Zukunft im Tenniszirkus. Doch Freundschaften abseits des Courts schloss man selten. Und das obwohl der Oldie im Feld alles dafür tat, um von den Talenten akzeptiert zu werden. Er machte Dinge, die seiner Meinung nach ein junger Profi tun würde. Hutt meldete sich in Sozialen Medien an, verteilte Likes an Beiträgen seiner Rivalen und benutzte Worte wie »Digger«. Doch die Distanz zwischen den Spielern blieb. Der Konkurrenzdruck war zu groß. »Es herrscht nicht die Atmosphäre, dass man abends mit den Jungs ein Bier trinken geht«, sagt Hutt.

Obwohl der heute 40-Jährige seine Tennistour ohne Weltranglistenpunkt beendete, will er die Reise auf die abgelegenen Courts der Erde nicht missen. »Mit 39 Jahren habe ich in Israel fünf Sätze an einem Tag in zwei Matches gespielt. Das habe ich vorher nicht zu träumen gewagt«, sagt Hutt. Tennis spielt er immer noch. Nach dem Ende des Abenteuers gelang ihm mit seinem Heimverein STK Garching der Sprung in die 1. Bundesliga. Ein kleines Happy End nach einer aufregenden, anstrengenden Tennisreise.

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