Mi., 14.08.2019

Im Oktober 2018 wurde ein Exemplar in Rheda-Wiedenbrück gefunden Fall in NRW: Riesenzecke überträgt erstmals Fleckfieber in Deutschland

Eine solche Hyalomma-Zecke ist im Oktober 2018 auch in Rheda-Wiedenbrück entdeckt worden.

Eine solche Hyalomma-Zecke ist im Oktober 2018 auch in Rheda-Wiedenbrück entdeckt worden. Foto: dpa

Stuttgart/Siegen (dpa/WB/hf). Erstmals soll in Deutschland ein Mensch durch den Stich einer tropischen Riesenzecke an Fleckfieber erkrankt sein. Die Zeckenart wurde bereits 2018 in Rheda-Wiedenbrück gesehen.

In der Zecke, die den Mann aus dem Raum Siegen gestochen hatte, sei der betreffende Erreger nachgewiesen worden, teilte die Universität Hohenheim in Stuttgart am Mittwoch mit. Der Pferdehalter hatte sich Ende Juli durch eine Hyalomma-Zecke angesteckt. Er konnte erfolgreich mit Antibiotika behandelt werden.

»Damit wissen wir jetzt nicht nur sicher, dass die Hyalomma-Zecke auch Menschen sticht«, sagte Ute Mackenstedt, Parasitologin an der Universität Hohenheim.

Klar sei auch, dass in Deutschland eine Übertragung des Zecken-Fleckfiebers durch die Tiere tatsächlich möglich ist. Ärzte müssten künftig eine Infektion als mögliche Ursache in Betracht ziehen und entsprechend wachsam sein, sagte sie.

Höchst seltene Krankheit

Das Bakterium Rickettsia aeschlimannii verursacht einen fieberhaften Infekt mit Kopf- und Muskelschmerzen, extremen Gelenkschmerzen und einem Gefühl, als würde man verbrennen. Typisch für die Erkrankung ist der Hautausschlag, der dem Fleckfieber den Namen gibt. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts ist Fleckfieber eine in Deutschland höchst selten auftretende Krankheit.

Die Zahl gefundener Hyalomma-Zecken ist in Deutschland in den vergangenen Monaten und im Vergleich zum Vorjahr deutlich gestiegen. »2019 haben wir zusammen bis jetzt schon 50 Exemplare in Deutschland gefunden. Letztes Jahr waren es insgesamt 35«, sagt Mackenstedt. Von den 2019 gefundenen Exemplaren trägt laut Mackenstedt fast jedes zweite den Fleckfieber-Erreger in sich. Erstmals konnten nach Einschätzung der Experten in diesem Jahr Hyalomma-Zecken in Deutschland auch überwintern.

Der Fall des Pferdehalters aus dem Raum Siegen wird als Verdachtsfall behandelt, weil ein Direktnachweis des Erregers am Patienten nach Angaben der Experten nicht möglich war. »Die Behandlung des Patienten stand einfach an erster Stelle«, sagte Gerhard Dobler, Mediziner am Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr in München. »Doch der unmittelbar vorausgegangene Zeckenstich, die typischen Symptome und vor allem der Nachweis des Erregers in der Zecke lassen keinen anderen Schluss zu, als dass es sich bei dem Fall um Zecken-Fleckfieber handelte.«

Totes Exemplar 2018 in Rheda-Wiedenbrück entdeckt

Die Hyalomma-Zecken können auch gefährlichere Erreger übertragen, darunter jenes Virus, das das Krim-Kongo-Fieber verursacht, das mit schweren Blutungen einhergehen kann. Im vergangenen Jahr wurden insgesamt 18 Exemplare aus acht Bundesländern (Bayern, Baden-Württemberg, Hessen, Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen, Brandenburg, Berlin und Schleswig-Holstein) eingeschickt und untersucht, weitere 17 Zecken waren auf Grund von Bildern eindeutig als Hyalomma-Zecken zu erkennen gewesen. Keine der untersuchten Zecken trug den Erreger des Krim-Kongo-Hämorrhagischem Fiebers in sich.

Auch nicht die Zecke, die in Ostwestfalen-Lippe auftauchte: Ein Exemplar ist in Rheda-Wiedenbrück im Oktober 2018 entdeckt worden . Zwischen einer Jalousie war die Zecke eingeklemmt. Sie war bereits tot, als eine Frau sie fand. Die Überreste des Tiers schickte sie an das Berliner Robert-Koch-Institut. Dort stellten Dr. Peter Hagedorn und seine Kollegen fest, dass die Zecke zur Gattung Hyalomma gehört. Die tropische Hyalomma-Zecke überwinterte erstmals in Deutschland .

So ist sie von anderen Zecken zu unterscheiden

Die Hyalomma-Zecken stammen aus den Trocken- und Halbtrockengebieten von Afrika, Asien und Südeuropa - von Spanien über Italien bis zur Türkei. Von den hiesigen Zecken wie etwa dem Gemeinen Holzbock kann man sie leicht unterscheiden: Sie sind mit bis zu zwei Zentimeter Länge wesentlich größer und haben auffällig gestreifte Beine. Bislang wurden Hyalomma-Zecken mit Zugvögeln nach Deutschland transportiert, dort können sie sich nach Ansicht der Wissenschaftler in diesem Jahr stärker ausbreiten.

 

 

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